Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 11 (11.1903)
- Date
- 1903-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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190 No. 11 Andenken an den Zionistenkongress Elul (Jahreszahl)". Der Vorsitzende des Vereins hat im Namen aller Mitglieder des Vereins Dr. Bodenheimer gedankt, und die Turner verliessen den Saal mit Gesang. Im Saal und auf der Gallerie ertönte das Lied: „rrON tib "Ti$J" und mit Gesang sind die Zionisten aus dem Saal gezogen. Das, was sie gesehen haben, hat ihnen Mut zur Hoffnung auf die Wiederauflebung unseres Volkes gegeben: Und in diesem wirklich „ijnpn map üb Tip"- Die jüdische Turnerschaft im Lichte der Presse. Die Polemik gegen unsere Bestrebungen hat auch seit dem Erscheinen unserer letzten Nummer lebhaften Fortgang genommen. Wir wollen nur erwähnen, dass die Form im allgemeinen eine wesentlich mildere geworden ist. Aus der Fülle der für und wider uns erschienenen Pressstimmen beschränken wir uns darauf, die Stellungnahme der „Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" hervorzuheben. Während wir das Blatt noch in unserer letzten Nummer als unsern entschiedenen Gegner aufführen mussten, hat es sich auf Grund verschiedener Zuschriften, namentlich auch seitens des Verbandsvorsitzenden, vor kurzem zu folgendem Zugeständnis genötigt gesehen: „Als „Volksstamm" haben die Juden das Recht (und sogar die Pflicht), gewisse Eigentümlichkeiten zu bewahren, ohne dadurch auch nur im Geringsten ihre Loyalität dem deutschen Vaterlande gegenüber, ihren Patriotismus in Frage zu stellen. Wenn die Vergangenheit der Juden im Mittelalter eine andere gewesen wäre, wenn nicht gerade die Juden aus vielen Gründen im eigenen Interesse alle Ursache hätten, auf Vorurteile Rücksicht zu nehmen und Konzessionen zu machen, sähen wir beispielsweise nicht den geringsten Grund ein, warum die Juden nicht, wie in den verschiedensten Teilen unseres Vaterlandes die Bauern, wie schottische Bergbewohner ihre alte Volkstracht, ihre Haarlocken etc. hätten beibehalten dürfen, wie es die Juden in Russland aus religiösen oder vermeintlich religiösen Gründen noch tun. Der Jude im langen Chalat, mit den Ringellocken etc. wäre genau so berechtigt, wie der Altenburger oder der bayerische Bauer in ihren Trachten, und selbst gegen seinen Jargon wäre kaum mehr einzuwenden als gegen irgend einen der vielen deutschen Dialekte. Es ist aber aus Opportunitötsgründen sehr gut, dass die Juden in Deutschland sich wie die Mehrzahl der städtischen Deutschen kleiden und so gut, vielfach sogar besser deutsch sprechen als ihre germanischen Mitbürger. Wenn jüdische Vereine es sich zur Aufgabe stellen, die Stammeseigenheiten zu pflegen, dafür zu sorgen, dass Juden die Geschichte ihres Stammes kennen und Pietät gegen ihre Vorfahren bewahren, so ist dagegen nicht nur nichts zu sagen, sondern es ist das sogar zu ermuntern, denn in der Tat hindert nichts einen guten Juden, auch ein guter Staatsbürger zu sein. Die Vorschriften der jüdischen Religion verlangen dies sogar. Ob