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Jüdische Turnzeitung · 1903-11-01 · 11 (11.1903) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
11 (11.1903)
Date
1903-11-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 11 189 Die jüdischen Gymnastik-Vereine in Basel. Ein grosses Vergnügen haben gehabt gestern viel Delegierte, welche sind gegangen auf die Vorstellung von den jüdisch-deutschen Turnvereinen, welche sich jetzt in Basel befinden. Viel Delegierten ist vielleicht das. erste Mal Gelegenheit gegeben worden, einige Dutzend junge Juden zu sehen, nicht solche mit bleichen Gesichtern, nicht mit ausgebogenem Rücken und eingefallenem Herzen (Brust), sondern gesunde, muntere Menschen mit starken Muskeln, junge Leute, wie wir sie bis jetzt nur gewohnt waren, bei den Völkern der Welt (d. i. den Nichtjuden) zu treffen. Die Zuschauer sind gewesen überrascht zu sehen, mit welcher Flinkheit, mit welcher Leichtigkeit sie gemacht haben allerlei physische, gymnastische Künste, wie die besten Professionalisten in der Sache. Zwischen den übrigen Gasten sind gewesen Dr. Th. HerzI, Max Nordau, Bodenheimer, Mandelstamm etc. Angehoben hat die Vorführung mit dem, was der Lehrer des Turnvereins von der Geschichte und dem Zweck solcher Gesellschaften erklärt hat. Diese sind gebildet worden gleich nach dem fünften (!) Kongress, auf dem Nordau, wie bekannt, gerufen hat, ein „Muskeljudentum" wieder zu schaffen. „Wir", sagte der Redner, „müssen Juden haben, starke, stolze, nicht gebeugte!" Der Zweck, den sich die Vereine gestellt haben, ist der, der jüdischen Jugend zu geben Kraft, Mut und Disziplin. Kraft: unseren Muskeln, Stolz: unseren Herzen und Disziplin: unserem Gehirn. Man wird sagen, fährt der Redner fort, dass die Juden genug Kraft bewiesen haben in ihrer Geschichte. Aber das ist gewesen Kraft fürs Leiden, wir aber wollen schaffen Kraft, die etwas tun soll, die sich fühlen lassen soll. Bis jetzt haben wir noch so eine schaffende Kraft nicht bewiesen. Wir bedürfen ihrer nicht eines Krieges wegen, sondern wir müssen erhalten eine innerliche Kraft, um eine Nation wie alle anderen zu werden und um den Platz einnehmen zu können, der uns gebührt. Er erzählt, dass sie in Berlin einen Verein für solche Juden gebildet haben, die nicht deutsch können.*) „Erzählet Euren Brüdern aller Länder," sagt er, „dass Ihr habt gesehen solche Juden, damit die Hoffnung besteht, dass unser Beispiel viele andere nachtun." Zum Schluss hat geredet Dr. Bodenheimer. Er hat begrüsst die Vereine und seine Freude ausgedrückt, dass Nordaus Wort „Muskeljudentum" nicht umsonst geblieben ist. „Solche Juden müssen wir haben," sagt er, „und dann werden wir näher unserem Ziele sein." Er erzählt, dass in Deutschland und Österreich schon jetzt vorhanden sind 200 (!) Jaden vereinigt in Turnvereinen und er hofft, dass solche Vereine weiter und weiter wachsen werden. Zum Schluss fordert er die Versammlung zu einem Hedadrufen auf unsere jüdische Zukunft auf, ein mächtiges Hedadgeschrei erfüllt den ganzen Saal. Die Begeisterung dauert gegen zehn Minuten. Als das Publikum sich ein bischen beruhigt hatte, hat Bodenheimer jeden von den Turnvereinen besonders zu sich gerufen und hat ihm gegeben eine Medaille zum Andenken. Die Inschrift der Medaille lautete auf der einen Seite: „fljitf pin .pin", auf der andern Seite: „Zum *) Er meint die Auslander-Abteilung des „Bar Kochba".

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