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Jüdische Turnzeitung · 1903-11-01 · 11 (11.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
11 (11.1903)
Date
1903-11-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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188 No. 11 Um unser Verhältnis vom Nationaljudentum zum Patriotismus noch einmal klar zu stellen, möchte ich mich eines einfachen Vergleiches bedienen. Sie haben an sich mit einander so viel oder so wenig zu tun, wie etwa die Chemie und die Musik. Jeder wird zugeben, dass diese beiden Gebiete an sich einander sicherlich nicht feindselig gegenüberstehen. Trotzdem können sie in Konflikt mit einander geraten. Man stelle sich vor, dass ein Berufschemiker von einer solchen Leidenschaft zur Musik ergriffen wird, dass er ihr Zeit und Geld opfert in so hohem Maasse, dass er nicht mehr imstande ist, seinen Berufspflichten zu genügen. Hier ist tatsächlich ein Konflikt entstanden, aber nur dadurch, dass die eine Betätigung (es können auch beide sein) in fanatischer Weise überspannt wurde. Nur so könnte auch an einen Konflikt zwischen Nationaljudentum und Patriotismus gedacht werden, sei es, dass die national-jüdische Gesinnung alles übrige Interesse für irgend eine andere menschliche Betätigung vollständig verschlingt, sei es, dass der deutsche Patriotismus in lächerlichen germanischen Chauvinismus umschlägt. Zugegeben also, dass dieser extreme Fall bei Fanatikern eintreffen kann, so ist doch für gesunde Menschen ein solcher Zwiespalt vollständig ausgeschlossen, und damit steht für uns das eine fest, unser Nationaljudentum hindert uns in keiner Weise, gute deutsche „Patrioten" zu sein! Ein Jargonblatt über das Baseler Schauturnen. Wir haben bereits Im vorigen Hefte bei der Besprechung unseres Turnfestes darauf hingewiesen, wie stark seine Wirkung gerade auf die osteuropäischen Zuschauer gewesen ist und wie trefflich die Eigentümlichkeit dieses Eindrucks sich in den Berichten der Blatter Ihrer Heimat widerspiegelt. Unfähig, das eigentliche Turnen genau zu charakterisieren und in seinen Einzelheiten darzustellen, begnügen sie sich mit dem wiederholten Gebrauch allgemeiner Wendungen und mit dem Drum und Dran, den Reden und alle dem, was mehr Ihrer gewohnten Gehirnarbeit entspricht. Ein Beispiel zur Illustration dieser Behauptung: „Der Fralnd", eine In Petersburg erscheinende und im Jargon geschriebene grosse jüdische Tageszeitung lässt sich von ihrem Baseler, Berichterstatter folgendes berichten:*) *) Nummer vom ai. VIII./3. IX. 03. Wir bemühen uns, bei der Übersetzung durch die Stellung und Wahl der Worte ein klein wenig den eigenartigen Ton dieses Idioms zu treffen.

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