Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 9 (9.1903)
- Date
- 1903-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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No. Ii 173 Über den eigentlichen Verlauf des Schauturnens haben fast alle jüdischen und auch eine Anzahl nichtjüdischer, vor allem schweizerischer Blätter, in recht ausführlicher und sämtlich in lobender Weise berichtet. Wir geben hier in kurzem den Gang der Feier wieder: Auf Dienstag, den 25. August, pünktlich 3 Uhr war der Beginn des Schauturnens angesetzt. Schon lange vorher begann sich der Saal zu füllen. Vertreten war wohl das gesamte grosse zionistische Aktionskomitee sowie die Mehrzahl der Delegierten. Ausserdem waren viele Kongressbummler, Journalisten und Baseler Bürger anwesend. "Wir bemerkten unter den Zuschauern Herzl, Nordau mit Gattin und Kind und Professor Mandelstamm, die während und nach dem Turnen ihre warme Anerkennung der Leistungen uns unverhohlen ausdrückten. Dann der uns als Seele der Jewish Lflds* Brigades-Bewegung bekannte Oberst Goldsmith, sein Landsmann Zangwill, Professor Gottheil mit Gattin, Professor Warburg, Dr. Lippe, Dr. Bodenheimer, Frau Professor Schapira und ungezählte andere, die in der zionistischen Welt eine Rolle spielen. Präzise drei Uhr erfolgte unter dem Kommando des Turnwarts Scholem der Einmarsch der 85 Turner der Turnvereine Köln, Wien, Berlin, Bielitz, Mannheim, Freiburg, Halberstadt, Ungarisch-Hradisch, Mährisch-Ostrau, Sofia. Nach einem kürzeren Aufmarsch begannen die Freiübungen, die Witkowsky und Julius Cohn (beide Berlin) mustergiltig vorturnten. Als Übungen selbst kamen, schon mit Rücksicht auf die besondere Zusammensetzung der Turner, nur einfachere in Betracht, die sich aber in ihrer Gesamtwirkung, trotz einiger Entgleisungen einzelner, recht schön ausnahmen. Es waren Ausfälle in Verbindung mit Fechtbewegungen der Arme. Nach Beendigung der recht beifällig aufgenommenen Übungen hielt Herr Dr. Tuch als Vorsitzender der Jüdischen Turnerschaft folgende Ansprache an die Versammelten: Hochverehrte Anwesende! Gestatten Sie mir, als dem Vorsitzenden des Ausschusses der Jüdischen Turnerschaft, Sie hier zu begrüssen und Ihnen unsere Freude auszusprechen über die liebenswürdige Bereitwilligkeit, mit der Sie unserer Einladung gefolgt sind. Besonderer Dank gebührt den anwesenden Führern der Zionisten, den Herren Dr. Herzl, Dr. Nordau, Prof. Mandelstamm und Dr. Bodenheimer für ihr Erscheinen, durch das sie offiziell das grosse Interesse bekundet haben, welches der Zionismus an dem jüdischen Turnen nimmt. Ich befinde mich in der angenehmen Lage, eine mir liebe Pflicht in diesem Augenblick erfüllen zu dürfen, nämlich öffentlich dem Zionismus Dank, innigen Dank zu sagen. Denn er hat die jüdische Turnerei ins Leben gerufen. Prof. Mandelstamm war es, der auf dem II. Zionisten-Kongress zu Basel im Jahre 1898 zuerst auf die Notwendigkeit jüdischer Turnvereine hinwies, und Dr. Nordau prägte uns damals das herrliche Wort „Muskel-