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Jüdische Turnzeitung · 1903-09-01 · 9 (9.1903) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
9 (9.1903)
Date
1903-09-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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170 No. ö heiten der Sache zu besprechen, bemühte sich, uns nach Kräften zu helfen. Ihm vor allem haben wir zu danken, dass an dem Tage des Schauturnens der Beginn der Nachmittagsitzung des Kongresses soweit hinausgeschoben wurde, dass es jedem Delegierten möglich wurde, ohne sich zu überhasten, an beiden Veranstaltungen teilzunehmen. Viele Delegierte, die, wie sie uns später freimütig erklärten, hingegangen waren, weil es die anderen auch taten, und die nicht recht an einen Erfolg glauben wollten, traten nachher als neue begeisterte Apostel unserer Idee an uns heran und drückten ihr Erstaunen über die schönen Leistungen aus. Noch anders war der Eindruck auf die zahlreichen Vertreter des osteuropäischen Judentums, für die ja im Grunde das Schauturnen überhaupt veranstaltet wurde. Sie weinten, weinten echte Tränen über das ihnen in der Aufregung des Kongresses so unvermittelt gebotene Schauspiel junger jüdischer Körperschönheit und Körperkraft. Wenn wir die Eindrücke des Turnens grade auf sie analysieren wollen, so kommen uns diese Leute vor wie von Elend und Armseligkeit starrende Kinder, die man aus ihrer Umgebung hinaus zu jungfrischen Menschen führt und denen man alle die ungekannten Herrlichkeiten vollmenschlicher Kindheit zu schenken verspricht. Den besten Beweis dafür, wie richtig diese Beobachtung ist, liefern ihre Berichte über das Schauturnen in ihren eigenen russischen und galizischen Blättern; man sieht da förmlich, wie sie vergeblich nach Ausdrücken suchen, mit dem Worte ringen, um das Neugesehene in ihre Sprache zu übersetzen. Sie stammeln schliesslich ein glückseliges: es war schön, zu schön! Aber der Tag wird nicht vergessen werden, er wird den Delegierten mehr als eine kurzlebige Erinnerung sein. Die Wirkung unserer Propaganda kann freilich erst nach einiger Zeit eintreten. Und sie wird eintreten, das wissen wir aus den Zusicherungen der zionistischen Abgeordneten. Der Stein ist von uns mit vieler Mühe ins Rollen gebracht worden, er wird weiter rollen und unter sich all das zermalmen, was uns Juden bislang nicht in den Vollbesitz unserer Körperlichkeit kommen Hess: vor allem alte, im Cheder- und Ghettoleben grossgezüchtete Vorurteile.

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