Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 9 (9.1903)
- Date
- 1903-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9 165 reden darf — ich meine, wir Turntagsdelegierten, blicken mit einer gewissen, begreiflichen Rührung auf das von uns miterschaffene Werk, zumal unser Mitwirken an ihm mit mancherlei Hindernissen verbunden war. Allgewaltig bannte uns der VI. Zionistenkongress in seine Zaubermacht. Ungewollt hat er es verschuldet, dass wir nicht unsere volle Aufmerksamkeit der eigenen Turnsache zuwenden konnten. Waren doch unsere Turntagsdelegierten meist begeisterte Zionisten, die es nicht über sich vermochten, jenen grossen Momenten des diesjährigen Kongresses fernzubleiben. Aber trotz alledem, das, was wir für die Turnsache geleistet haben, ist mit Rücksicht hierauf und auch im Hinblick auf die geringen Vorbereitungen, die uns die knappe Zeit von der Einberufung des Turntages an übrig liess, immerhin eine Achtung gebietende Leistung, die Tat, wegen deren der Turntag überhaupt stattgefunden: die Jüdische Turnerschaft besteht, ihre Organisierung ist vollendet. Ueber den Verlauf des Turntages im einzelnen Ist folgendes zu berichten: Vertreten waren die Vereine von Berlin, Wien (2 Vereine), Köln, Sofia, Bielitz-Biala, Mährisch-OstrBU, Ungarisch-Hradisch, Freiburg, Mannheim, Prossnitz. Von einer Reihe weiterer Vereine waren Zustimmungserklärungen eingelaufen, einige andere schrieben, sich vorläufig noch nicht anschliessen zu können. Am Freitag den 21. August begrüsste Dr. Tuch-(Berlin) als Vorsitzender des einberufenden Vereins die anwesenden Delegierten, indem er die Hoffnung aussprach, dass die Beratungen zu einem gedeihlichen Ende führen mögen. In das für die Geschäftsführung der Sitzungen erforderliche Bureau wurden Dr. Tuch als Vorsitzender, Salomon-(Köln) als dessen Stellvertreter, cand.ing.Löwy-(Wien) als I. Schriftführer, Dr.H.Jalowicz- (Berlin) als dessen Stellvertreter gewählt. Hierauf erklärt Dr. Tuch den Turntag für eröffnet und lösst durch den Schriftführer die eingetroffenen Begrüssungsschreiben und Telegramme verlesen. In dem nun folgenden Referat über „Geschichte und Stand der j Udischen Turnbewegung" legte Herr Dr. Jalowicz dar, dass dieselbe keine Frucht des Antisemitismus sei, sondern eine Bestrebung zur Eindämmung der progressiven körperlichen Entartung der jüdischen Rasse. Das Hinausdrängen von Juden aus den deutschen und österreichischen Turnerschaften wäre nur Gelegenheitsursache der Bewegung. Das Verhalten vieler Juden bei diesem Anlass sei schmählich gewesen und verdammenswert, der neue Judenschlag wäre von anderer Art. Den eigentlichen Anstoss zur Gründung jüdischer Turnvereine aber hätte der Zionismus gegeben, insbesondere der 2. Kongress, auf dem Mandelstamm und Nordau die Wichtigkeit der Regenerierung unseres Volkes energisch betonten.