Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 9 (9.1903)
- Date
- 1903-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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162 ~So. 9 ins Kraut geschossen sind", spricht, äussert sie nach Kenntnisnahme unserer offiziellen Richtigstellung, dass sie zwar „jede Scheidung nach Konfessionen und Rassen in der Schule und im Vereinsleben, bei Werken der Wohltätigkeit und Gemeinnützigkeit für verfehlt" hält, fährt aber fort: „Die Mitglieder der jüdischen Turnerschaft können und wollen offenbar so gute Staatsbürger sein, wie alle andern". — Auch in sonstigen nichtjüdischen Blättern ist in durchaus sachlicher Weise unsere Idee kommentiert worden. Dass das Berliner Tageblatt, welches als das erste unter Streichung einiger ihm verfänglich erscheinenden Worte, die Ankündigung des Turntages brachte, später, als die Polemik alle Blätter füllte, in tiefem Schweigen verharrte, konnte uns nicht wundernehmen. Auch die dem Tageblatte nahverwandte „Allgem. Ztg. des Judentums" begnügte sich mit dem kurzen Hinweis, dass derartige „Extravaganzen" nicht auf das Konto der deutschen Judenheit zu setzen seien und dass von der internationalen Solidarität der Juden nur in konfessionellem -Sinne gesprochen werden dürfe. — Von besonderem Interesse ist für uns auch die Stellungnahme der Deutschen Turnzeitung. Unsere Gründung giebt ihr Stoff zum — Citieren. Der Vorwurf des Bruches der Bundessatzungen durch den Ausschuss der deutschen Turnerschaft wird kurz zurückgewiesen, und dann heisst es weiter: „Die Gründe aber, in den Juden selbst gelegen, die der Kölner Schriftwart für die Entstehung des Antisemitismus angibt, die nicht abzulegenden Merkmale gemeinsamer Abstammung und das knechtische Bestreben, sich der Umgebung anzupassen, sind allerdings auch Momente, die, in einzelnen Gegenden zu sehr hervortretend, Widerstand hervorrufen müssen." Das ist alles, was als eigenes Urteil geboten wird, aber das genügt; c'est le ton, qui fait la musique. — Was sagen „die eifrig deutschnationalen Turner" mosaischer Confession im XV. Turnkreis zu dieser Verurteilung der rückhaltlosen — die deutsche Turnzeitung sagt ganz in Uebereinstimmung mit dem Kölner Brief „knechtischen" — Anpassung? Mit besonders schwerem Geschütz glauben die „Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" gegen uns vorzugehen. Zu Anfang ihres 2 Seiten langen aus Kölner Citaten und einer Zuschrift hergestellten Artikels „Jüdischer Turntag" bekennen sie, nichts von der Existenz unserer „konfessionellen Turnzeitschrift" . gewusst zu haben, dafür aber unterstellen sie uns ohne den Schein eines Beweises „jüdische Turner auch aus Vereinen herauszureissen,