Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 9 (9.1903)
- Date
- 1903-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4921092-5965009-5965202--0806-4921856- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 9 161 setzt sich aus vielen Stammen zusammen, die stolz sind auf ihre frühere Geschichte und Eigenart. Das hindert sie nicht, vor allem brave Preussen zu sein." Wenn ferner der von uns gegründete Verband national-jüdischer Turnvereine deshalb angegriffen wird, weil er über die staatlichen Grenzen hinausgreift, so antworten wir auf diesen Vorwurf mit dem kurzen Hinweis auf die deutsche Turnerschaft, die in gleicher Weise „gefehlt" hat; auch ihre Organisation macht nicht Halt an den Grenzpfählen! Warum also, was hier als Tugend gepriesen wird, bei den Juden als Laster verdammen? Der Ausschuss der Jüdischen Turnerschaft i.A. Dr. Ernst Tuch, Vorsitzender-. Mit Genugthuung konstatieren wir, dass diese Ausführungen nicht ohne Wirkung geblieben sind, indem die Bemerkungen, welche von den verschiedenen Blättern daran geknüpft werden, trotz ihres Festhaltens an dem grundsätzlich entgegengesetzten Standpunkte in Ton und Inhalt eine ganz andere Würdigung und vor allem ein besseres Verständnis unserer Bestrebungen als vorher bezeugen. So verwirft die „Köln. Ztg." auch jetzt noch jeglichen Versuch durch Betonung der Rassengegensätze einen Zwiespalt des geschichtlich gewordenen Staatsganzen zu erzeugen (übrigens ganz in unserem Sinne! Die Red.), „sei es nun, dass der erste Anstoss zu der bedauerlichen Scheidung von christlichen oder jüdischen Deutschen ausging" und verurteilt scharf die konfessionelle Gestaltung des akademischen Verbindungswesens, indem sie als ihren Leitgedanken in der Behandlung der gesamten Frage aufstellt: „Gleichberechtigung aller Glieder des politischen Körpers, den man Volk nennt, der nur gleichberechtigte Staatsbürger, nicht über- und untergeordnete Rassengliederung kennt". Sie vergisst dabei freilich, dass es sich uns nicht um Über- und Unter-, sondern um Nebenordnung der Rassen handelt, aus der sich politische Consequenzen nicht zu ergeben brauchen. Das Blatt, dass unsere Bestrebungen zuerst als eine „Ausartung des Zionismus" glaubte kennzeichnen zu müssen, schliesst seine Betrachtungen mit versöhnlicheren Wendungen, indem es der Hoffnung Raum gibt, „wenigstens in etwas zur Überbrückung der ungesunden Gegensätze zum Wohle der Gesamtheit beigetragen zu haben", und indem es ausserdem dem einzelnen die Berechtigung zugesteht, gegen die vordem als vorbildlich gepriesene Auffassung Rathenaus Stellung zu nehmen. Ein ähnlicher Umschwung in der Behandlung der Frage lässt sich auch bei der Frankfurter Zeitung feststellen. Während sie vorher von „Sonderbestrebungen, die in letzter Zeit etwas stark