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Jüdische Turnzeitung · 1903-09-01 · 9 (9.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
9 (9.1903)
Date
1903-09-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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160 No. 9 Was den ersten Punkt anbetrifft, so haben wir zu erklaren: Unsere Abschliessung in jüdischen Turnvereinen ist zwar für manche unserer Mitglieder aus der Verärgerung über die antisemitische Störung in der deutschen Turnerschaft entstanden — und wer wollte es einem Juden, dem Selbstwürde und feineres Empfinden eigen ist, zumuten, dort zu verharren, wo er doch meistens nicht als vollwertiges Mitglied angesehen wird? Haben doch die akademischen Turnvereine, die geistige Elite der deutschen Turnerschaft, allen Juden ausnahmslos den Eintritt verwehrt; auf die sattsam bekannten Ausfälle im XV. Kreise der deutschen Turnerschaft hier naher einzugehen, dürfen wir uns wohl versagen. Der Antisemitismus könnte also wohl als äusserer Anstoss für die Begründung der jüdischen Turnvereine aufgefasst werden. Die innere Ursache jedoch liegt weit tiefer. Die jüdische Turnbewegung führt geschichtlich ihren Ursprung auf den Zionismus zurück, mit dem sie die national-jüdische Grundlage gemein hat, wahrend sie sich wesentlich dadurch von ihm unterscheidet, dass sie jeglichen politischen Charakters entbehrt, da sie sich jeder Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten enthalt. Unsere national-jüdische Aufgabe erblicken wir in der Pflege und Veredelung derjenigen unserer Stammeseigentümlichkeiten, die wir als wertvoll erkannt haben. Dies kann aber nur in jüdischen Vereinen geschehen. Unsere Vereine haben mithin nicht nur den Zweck, eine physische Kräftigung des jüdischen Stammes anzubahnen, sondern sie leisten auch eine ethische und soziale Kulturarbelt. Daraus einen Gegensatz zum Deutschtum herleiten zu wollen, ist durchaus ungerechtfertigt, und wir weisen mit aller Energie den gegen uns erhobenen Vorwurf, als ergäbe sich aus unserem Zusammenschluss als Juden mit innerer Selbstverständlichkeit eine Minderung unseres deutschen Empfindens, zurück. Eine Vergleichung und Identifizierung unserer Bestrebungen mit den danisch und polnisch-nationalen zeugt von einem völligen Missverstehen unserer Tendenzen. Gegen jene Bewegungen wendet man sich vom deutschen Standpunkt aus doch überhaupt nur deshalb, weil man annimmt, dass ein Kampf gegen das Deutschtum zu Gunsten einer dänischen bezw. polnischen Kultur geführt werde, und weil man befürchtet, hierdurch könnten die auf eventl. Losreissung der seinerzeit dem deutschen Reiche einverleibten Gebietsteile gerichteten Absichten Förderung erfahren. Welchen Gebietsteil des deutschen Reiches sollten wohl die Nationaljuden annektieren wollen?. Oder hat man schon je etwas von einem Angriff des Nationaljudentums auf deutsche Kultur vernommen? Weit zutreffender wBre ein Vergleich mit den amerikanischen Deutschen, deren unerschütterliche Liebe zum deutschen Stamme und zu deutscher Kultur sie zu Organisationen zusammengeschlossen hat. die auch von offizieller deutscher Seite volle Würdigung und eifrige Unterstützung gefunden haben. Und doch hat sie nie diese Bestätigung daran gehindert, mit voller Kraft an der Kulturarbeit des grossen amerikanischen Volkes mitzuarbeiten, oder sie in einen Konflikt mit ihren staatsbürgerlichen Pflichten gestürzt! So und nicht anders wollen auch wir verstanden werden. Auf das glücklichste hat diesem Gedanken, dass Staatsbürgertum und Stammeszugehörigkeit zwei verschiedene Dinge sind, die einander nicht zu tangieren brauchen, Kaiser Wilhelm II. In seiner Posener Rede mit den Worten Ausdruck verliehen: „Das Königreich Preussen

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