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Jüdische Turnzeitung · 1903-09-01 · 9 (9.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
9 (9.1903)
Date
1903-09-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No. 9 159 gesamte Auffassung der „Kölnischen Ztg." und ihrer Nachsprecher böten und wenn nicht gerade hier der Gegensatz zwischen unseren Bestrebungen der Aufrechterhaltung unserer nationalen Eigenart gegenüber dem Angleichungsverlangen unserer jüdischen und nichtjüdischen Gegner am schärfsten zum Ausdruck käme. Wir laden aber Herrn Rathenau hiermit allen Ernstes ein, dem Berliner Jüdischen Turnverein „Bar Kochba" eines Abends einen Besuch abzustatten, damit er erkenne, wie wir daran arbeiten, ein „jüdisches Patriziertum der körperlichen Kultur" zu schaffen. Wir jüdischen Turner haben nämlich nicht nur gefunden, dass es sich viel besser turnt, wenn man nicht in einem fort auf dem qui vive des Antisemitismus zu stehen braucht, sondern es ist uns auch aufgefallen, dass uns aussergewöhnlich viele schlechte Turner zuströmten, sogar Leute, die nie in ihrem Leben Turnunterricht genossen hatten. Wir konnten ferner beobachten, dass diese Leute, von ihren Vorturnern und Turnwarten mit „heissblütig beweglichem Gebahren", aber unermüdlich unterstützt wurden, Disziplin hielten, ihr Rückgrat streckten und für alle die das Verständnis verloren, die „bewusste Selbsterziehung zur Anpassung an fremde Anforderungen" übten. Nach diesen Erfahrungen mehrerer Jahre hielten wir unser System der Selbsterziehung gegenüber dem des Herrn Rathenau für das zweckmässigere, empfahlen es unseren Freunden und sind endlich zur Gründung unserer Turnerschaft gekommen. In kurzen Worten hat nun der Ausschuss dieser Jüdischen Turnerschaft, veranlasst durch die heftige Polemik in der deutschen Presse, diese inneren Ursachen, welche zur Schaffung des Verbandes geführt haben, durch folgende Kundgebung vor der Öffentlichkeit klar gelegt. Das Schreiben lautet: Berlin, den 2. September 1903. Gr. Hamburgerstr. 13. Sehr geehrte Redaktion 1 Auf die in Ihrem geschätzten Blatte veröffentlichten Ausführungen über jüdische Abschliessungsbestrebungen bitten wir Sie, folgender Kundgebung als offizieller Entgegnung des zuständigen Organs der „Jüdischen Turnerschaft" in Ihrem Blatte freundlichst Raum geben zu wollen. Ohne auf alle gegen unsere Bewegung gerichteten Angriffe einzeln einzugehen, möchten wir uns hier auf folgende zwei Hauptpunkte, die uns als Quintessenz der gesamten Polemik erscheinen, beschränken. Man macht uns zum Vorwurf: 1. unsere Abschliessung von der nichljüdischen Bevölkerung, 2. unseren über die staatlichen Grenzen hinausgehenden Zusammenschluss mit den Juden anderer Länder.

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