Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 9 (9.1903)
- Date
- 1903-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9 157 sprüht und prustet es in den lustigen Wind hinein, der aber ist längst über alle Lande geeilt. Zu der Notiz des Jüdischen Turntages schrieb also die „Kölnische Ztg.": „Diese Konfessionalisierung einer rein sportlichen Angelegenheit ist in jeder Hinsicht bedauerlich. Wer den Anlass zu der Absonderung von der grossen allgemeinen deutschen Turnerschaft gegeben hat, ob die Israeliten mehr einem lästigen Druck gewichen sind, oder ob in diesem Zusammenschluss eine Art Aggressive liegen soll, wissen wir nicht. Sicher ist, dass es nur in der Hand unserer jüdischen Mitbürger liegt, vollangesehene Mitglieder des allgemeinen deutschen Turnverbandes zu werden, wie noch kürzlich beim Turnfest in Nürnberg der einstimmig abgelehnte Antrag, die Juden von dem Verbände auszusehliessen, gezeigt hat. Gewiss lag in dem Antrage etwas Beschämendes, aber überall findet sich ein Störenfried, und die schroffe Ablehnung des Antrages bedeutete doch nichts anderes, als eine offenkundige Rehabilitierung. Umsoweniger hatten die Juden Anlass, unter Berufung auf eine „nationaljüdische Aufgabe" den sie verbindenden konfessionellen Ring noch fester zusammenzuziehen und sich bei einer so hervorragend deutsch-nationalen Übung wie das Turnen von der Volksgemeinschaft abzusondern. Die Warnungen ihres Glaubensgenossen Rathenau in seinen „Impressionen" sollten sie nicht unbeachtet lassen. Wenn sie selbst betonen, dass sie nicht allein auf religiösem, sondern auch auf wirtschaftlichem und sogar auf sportlichem Gebiet eine für sich abgeschlossene Gemeinschaft, ein Staat im Staate sind, so brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn sie die Fühlung mit dem deutschen Volkstum mehr und mehr verlieren. Hoffentlich wird aus jüdischen Kreisen selbst dieser Ausartung (!) des Zionismus, dem wir eine gewisse Berechtigung nicht absprechen können, entgegengetreten werden. Der Schriftführer des Kölner Jüdischen Turnvereins antwortete mit einem Schreiben in dem er vor allem darauf hinwies, dass von Konfessionalismus keine Rede sein könne, und die nationale Idee als den gemeinsamen grundlegenden Standpunkt der in der Jüdischen Turnerschaft zusammengefassten Vereine hervorhob. In der nun folgenden an leitender Stelle abgedruckten Entgegnung der „Köln. Ztg." wurden ihre Ausführungen erheblich erweitert; insbesondere seien „die Forderungen der Anerkennung der internationalen Zusammengehörigkeit des grossen Judenvolkes nicht zu billigen," als ob unser Tun mit Politik auch nur das Geringste je gemein gehabt hätte! Die „Köln. Ztg." schliesst ihren Artikel mit dem von ihrem Standpunkt aus freilich wohl verständlichen Satze: „Es wird nicht eher zu einem erspriesslichen Verhältnis kommen, als bis die Juden selbst die unbedingte Notwendigkeit ihr er rückhaltlosen Anpassung an das National itatselement, dessen