Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 9 (9.1903)
- Date
- 1903-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9 155 Stellung zur Welt mit Zaubermacht verwandelt Wir waren zerstreute, unbekannte Vereine; jetzt erst sind wir eine Bewegung, der öffentliche Tiäger einer Idee, mit der sich Jeder auseinanderzusetzen hat. Weit hinein bis in die Kreise der politischen Parteien sind wir der Gegenstand der Aufmerksamkeit. Von allen Seiten stürmt die Kritik auf uns ein. "Was tadelt sie? Ihr schliesst euch ab, indem ihr euch als Juden organisiert, ihr gebt den Zweifeln an eurem Patriotismus Nahrung, indem ihr mit den Juden anderer Länder in einen internationalen Bund tretet. Ihr lieben jüdischen Turnvereine, die ihr in einen nationaljüdischen Verband nicht eintreten wollt, merkt ihr, dass diese Vorwürfe auch euch trotzdem treffen? Ihr wäret ja auch bereit, mit den Juden anderer Länder zusammenzutreten (ohne das Wort nationaljüdisch!), ihr schliesst euch ja auch von den nichtjüdischen Vereinen scharf ab. Grade die Angriffe unserer — und eurer! — Gegner werden ein guter Wink für euch sein, uns zu folgen, denn ihr seid ja, ohne es freilich zu wissen, auch Nationaljuden. Wir werden von allen Seiten, vor allem von den liberalen Judenfreunden, in den Bann getan. Wir wollen es machen, wie der grosse Spinoza, als er mit dem Banne belegt wurde. Er erliess einen vorläufigen Protest und dann einen endgültigen, dauernden, indem er seine gewaltigen Werke schuf. Wir werden auf die Angriffe kurz erwidern — und dann werden wir uns ruhig an unsere Arbeit begeben und sie mit doppelter Kraft fortsetzen. Denn wir wissen ganz genau, was wir wollen, und unsere Gegner können das unmöglich besser wissen. Wir werden ihnen kurz erwidern: Nicht weil wir in der deutschen Turnerschaft verärgert sind, bilden wir eigene jüdische Vereine, sondern weil wir eine grosse positive Aufgabe uns gesetzt haben, die körperliche Regeneration unseres Stammes. Nicht von den anderen schliessen wir uns ab, sondern an unsere Brüder schliessen wir uns an. Das könnt Ihr vielleicht nicht verstehen, aber es zu verdammen, seid Ihr nicht befugt. Unser letzter Richter sind wir selbst. Viel Feind', viel Ehr'. Je mehr Menschen unsere Bewegung angreifen und missverstehen werden, um so reichlicher Gelegenheit werden wir haben und nehmen, Missverständnisse aufzuklären und Angreifer zu uns herüberzuziehen. Dass es nicht ohne Kampf abgehen wird, wussten wir ja vorher. Wir haben ihn uns ja selbst geschaffen. Aber je höher das selbstgesetzte Hindernis ist, 9*