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Jüdische Turnzeitung · 1903-08-01 · 8 (8.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
8 (8.1903)
Date
1903-08-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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No. fci 155 sahen und uns selbst dabei übersahen, Liebe zu uns. zu dem unterdrückten Menschen und Juden in uns. «Jüdische Turner in Rumänien!« Hier brauchen wir sie am allermeisten und dringendsten. Aber wir haben keine. Und solange wir die nicht haben, nicht als eine kleine Seele, sondern als organische Volksbildung, solange dürfen wir hier von einem Emporwachsen der «jüdisch-nationalen Bewegung» nicht sprechen. Denn Begeisterung ist ein flackernd Feuer; sie verbreitet ein ungewisses, flimmernd Licht, wenn die Worte, die ihr entströmen, nicht Talen gebären, und solange wir hier nicht Kraft- und Muskeljuden haben, kraft- und selbstbewusste Juden, haben wir hier nichts; dem Mörder muss man mit der Mordwaffe entgegentreten, sonst vernichtet er. Die ungeheure Bedeutung der Turnvereine für unser Volk braucht hier nicht noch einmal hervorgehoben zu werden; sie sind sein Lebenselement. . Weshalb haben wir keine? Weshalb fand diese Seite unserer Bestrebungen ein lautes Echo in der Brust der Juden, welche selbst von unseren weiteren Zielen nichts wissen wollen, weshalb versagte sie gerade da, wo sie am notwendigsten, ich möchte fast sagen, das Einzig-Nötige war? Die Gründe liegen nicht weit ab. Den Juden des Westens stehen schon lange die öffenllichen-slaallichen Schulen offen; in diesen Schulen mussten sie schon als Kinder, ob sie wollten oder nicht, turnen; ihr Geist gewöhnte sich wieder daran diese Anforderung des Lebens — Stärkung der körperlichen Kräfte — deren Verständnis ihnen im Laufe der Zeit abhanden gekommen war,*) zu begreifen; sie hörten auf der Schulbank mit Begeisterung von der griechischen ■/.aXo/.uYa&ia sprechen, und in ihre Seele zog mit dem Verständnis auch das Bedürfnis ein, ihren Arm zu stählen, und ihren Mut durch Stärkung der Kraft zu heben. Dann war ja ein Hauch der Freiheit doch durch jene Lande gezogen, und die von den andern gegründeten Turnvereine öffneten sich ihnen; wenn nur geduldet, war es ihnen doch möglich, diesem Bedürfnisse zu entsprechen. Fehlte auch die innere Begeisterung, die zu einem solchen Regenerationswerke nötig war, mit dem einen Augenblicke, wo das Schlagwort fiel: «Jüdische Turnvereine», war von denen, welche sich als Juden fühlten und der «Duldung» überdrüssig waren, der Bann gelöst, und sie fanden in ihren Bestrebungen jetzt das, was sie anfangs nur instinktiv gesucht hatten, sich selbst. Hier, wo der Druck der Verhältnisse viel gewalliger war und ist, hätte man einen vielfach potenzierten Erfolg jenes Wortes erwarten sollen; aber er blieb aus! Ganz natürlich! Die Juden werden erst seit wenigen Jahrzehnten zur Meldung für die staatlichen Schulen zugelassen, und in verschwindend kleinem *) Unsere Alten schätzten körperliche Kraft und Geschicklichkeit sehr hoch und heben immer mit besonderer Bedeutung hervor, wenn jemand sich in dieser Beziehung auszeichnete.

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