Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 8 (8.1903)
- Date
- 1903-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4921092-5965009-5965199--0789-4921840- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 8 153 regeln können selbstverständlich nicht davon abhalten, die notwendige geistige Arbeit des Kindes zu lenken und zu fördern. Körperliche Betätigung und harmonische Gemütsbildung bilden stets ein Gegengewicht gegen die Anstrengungen der unerlässlichen geistigen Arbeit. Im jüdischen Volke war seit den biblischen Zeiten ein tiefes Verständnis für die Erziehung und ihre Aufgaben verbreitet, und wie vom deutschen Lehrer gesagt wurde, dass er die Schlachten von Königgrätz und Sedan gewonnen habe, so hat auch die jüdische Erziehung in unzähligen Schlachten dem jüdischen Volke Leben und Existenz gerettet. Möge sie auch die veränderten Aufgaben, welche ihr aus unserer eigenartigen Stellung in der modern er* Kulturwelt erwachsen, sieghaft lösen! Jüdische Turner in Rumänien. Von Nachtal. Wer mit offenen Augen die Schicksale der Juden in den verschiedenen Ländern der Diaspora betrachtet, wird die erschreckende, aber zugleich auch natürliche Bemerkung machen müssen, dass, wo auch immer die Juden in einer nur irgendwie bemerkenswerten Anzahl sich zusammengefunden haben, sich dieselben Elemente des Judenhasses und der daraus sich ergebenden Judennol zeigen. Entweder durch das Gesetz festgelegte Ungleichheil oder angebliche Gleichheit vor dem Gesetz mit regelmässiger Umgebung des Gesetzes, Ausschluss aus der Gesellschaft, tief eingewurzelte Verachtung für alles, was jüdisch ist, Verachtung des Menschen im Juden mit der Begründung, dass er unehrlich, schwach und feige sei, erschreckend leichte Erregbarkeit der Volksleidenschaften gegen die Juden. Dieser letzte Punkt springt am ehesten und grellsten in die Augen; mögen die anderen Elemente der Judennot gemäss der verschiedenen Kulturhöhe der die Juden beherbergenden Wirtsvölker sich graduell von einander unterscheiden; überall aber liegt in gleicher Weise und in gleicher Stärke der Zündstoff gehäuft, und es braucht nur eines Funkens, um eine lodernde Flamme zu entfachen; und die Äusserung dieser Leidenschaft überall die gleiche; gewalttätig, roh, bestialisch; das braucht keiner Beweise; nur wer stumpf ist an Herz und Auge, der kann noch darnach fragen. Im übrigen ist diese leichte Entfachung und Betätigung des Hasses auch ganz natürlich: Im Volke lebt die durch 2 Jahrtausende