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Jüdische Turnzeitung · 1903-08-01 · 8 (8.1903) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
8 (8.1903)
Date
1903-08-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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No. 8 151 so dass die Muskulatur und die Organe die verschiedenartigsten wohltätigen Beeinflussungen erfahren. Das. Turnen hat den weiteren Vorzug, dass der Körper auch für die Fähigkeit, Schmerzen zu ertragen, etwas gewappnet wird. Dann wird Disziplin und Ordnung angewöhnt, durch die Turnspiele harmlose, frohe Geselligkeit gepflegt. Ich brauche weder in längeren Ausführungen die Zweckmässigkeit dieser Dinge für die Nervenhygiene zu begründen, noch den Nachweis zu bringen, wie notwendig gerade für unsere Juden eine derartige pädagogische Einwirkung ist. Aber auch ausserhalb solcher turnerischer Uebungen muss eine von allen Ausartungen freie Abhärtung des Körpers (Gewöhnung an die Schwankungen der Witterung, an Wasser n. s. f.) erstrebt werden. Insbesondere kann für jüdische Kreise die Einhaltung einer einfachen Diät und Lebenshaltung nicht eindringlich genug gepredigt werden. Dabei spielt ebenso, wie das physische Moment, auch ein moralisches mit, das für die Nervenhygiene von nicht geringerer Bedeutung ist. Zu den grimmigsten Schädlingen auf dem Gebiete der Nervenhygiene gehört die Blasiertheit, welche durch Eindämmung von früh und vorzeitig gebotenen Genüssen bekämpft werden muss. Hier ist der auch von unsern jüdischen Turnvereinen gepflegte Natursinn ein kardinales Mittel. Reine, edle Freuden werden dadurch der Jugend erschlossen, welche keine heftigen Gemütserregungen einsehliessen, sondern ruhig und friedlich den Ideen- und Gefühlskreis mit erfrischenden Eindrücken beleben. «Ein Hauch der Luft kann einem Kraft und neue Sinne geben>, sagt G. Hirschfeld in seinem uns so nahe berührenden Drama «Agnes Jordan». In einem vor etwa Jahresfrist erschienenen Vortrage von Professor H. Oppenheim «Nervenleiden und Erziehung», einer Schrift, welche allen jüdischen Eltern dringend empfohlen werden kann, weil sie selbst da, wo nicht ausdrücklich die jüdische Jugend als Beispiel angeführt wird, dieser gewissermassen auf den Leib geschrieben ist, hat der Verfasser es unternommen, die hohe Bedeutung eines tiefen Gemütslebens für die Nervengesundheit in trefflicher Darstellung zu schildern. Wir Juden müssen die Quellen dieser Gemütsbildung wieder dort suchen, wo sie für unsere Vorfahren in uner-

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