Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 8 (8.1903)
- Date
- 1903-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Nd. S beachtet gegen ein über mächtiges Vorurteil anzukämpfen. Das heutige Kulturjudentum mit seiner teilweisen körperlich-nervösen Entartung möge den geistig herrschenden Bassen eine ernste Mahnung sein, die Intelligenz nnd Verstandesknltur, zugleich mit Vernachlässigung der seelischen Seite ihres Wesens, nicht weiter zu treiben, als sie der Körper schadlos ertragen kann.» Als im Jahre 1882 der preussische Kultusminister v. Gossler für die Belebung des Turnens und der Turnspiele in der deutschen Jugend eintrat, wurde sein Erlass als der bedeutsamste des Jahrhunderts gepriesen. Man erkannte, dass in unserem nervösen Zeitalter nur die Zuführung der frischen frohen Körperbetätigung, des frohen Wagemutes, die Jugend vor dem Aufbrauche der Nervenkraft zu schützen vermöge. Wir mussten deshalb auch das Auftauchen turnerischer Bestrebungen in jüdischen Kreisen lebhaft begrüssen. In dem der nervösen Entartung zusteuernden Volksstamme Lust und Liebe an körperlicher Uebung und an all den dem Turnen anhaftenden einfachen, nervenerfrischenden Genüssen zu propagieren, war ein verdienstvolles Werk, das des Beifalls von uns Aerzten im voraus sicher war. In den jüdischen Turnvereinen in ihrer jetzigen Anfangsgestalt möchten wir die Anlage zu kräftigen Abwehrvereinen gegen die einseitige bedrohliche Betonung des Intellektualismus in der jüdischen Erziehung erblicken. Schon jetzt erweitern diese Vereine ja ihre Aufgaben, indem sie die Scharen zu Spielen vereinigen, sie zu gemeinschaftlichen Fahrten in die Natur hinausführen, harmlose Geselligkeit pflegen u. s. w. Und wenn natürlich solche Vereine nicht die Aufgaben der häuslichen Erziehung übernehmen und wir nicht die Kinder hineinstecken können, so ist es der Geist, der über ihnen waltet, die Idee, welche sie vertreten, die Methode, welche sie befolgen, von denen man wünschen muss, dass sie in den jüdischen Häusern Eingang finden. Die Abhärtung und Stählung des Körpers bildet einen mächtigen Schutzwall gegen die das kindliche Nervensystem gefährdenden Feinde aus dem Lager der üblichen Erziehungsmethoden. Speziell das Turnen gestattet eine ausserordentlich mannigfache Betätigung der Körperkräfte und Formen,