Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 8 (8.1903)
- Date
- 1903-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4921092-5965009-5965199--0784-4921835- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
149 nicht mehr mit uns fühlen, mögen sie ihrem neuen Nationsverbande nur zum Vorteile und zur Ehre gereichen. Das hoffen und wünschen wir aufrichtig. Möge niemand glauben, dass wir Nationaljuden dem Deutschtum irgendwie feind sind. Deutsche Gesinnung hat sich in so reichem Masse an uns bewährt, dass noch viele Ahlwart, viele Graf Pückler aufstehen müssen, ehe unsere Bewunderung deutschen Wesens und unsere Zuneigung zu erschöpfen ist. Mit der seelenstärkenden Erinnerung an die Dulderkraft unserer Väter erhebt sich nicht zugleich ein bitteres Gefühl oder gar Hass gegen ihre Bedränger, die ja nach menschlicher Fehlbarkeit und zuweilen selbst aus unanfechtbaren Beweggründen iudicio et justitia*) handelten. Unsere Losung und Erlösung sei: Frieden und Freundschaft, aber Wahrheit und Ehre über alles. Ein Nichtjude über die jüdische Turnerei.") «In deutschen Turnvereinen fühlen Juden sich selten recht wohl und meiden sie daher; obschon gleichberechtigt haben sie oft Grund, sich nur als geduldet zu fühlen. Gerade den Angehörigen der jüdischen Rasse indes tut der Betrieb von Leibesübungen am dringendsten not. Wenn man von osteuropäischen Ghettojuden absieht, die meist in gedrückter sozialer Lage unbewusst ihrer Naturentfremdung und geistigen Verkümmerung dahinleben, so ist es eine bedauerliche Tatsache, dass die grosse Mehrzahl der im Daseinskampfe stehenden «Kulturjuden> unter den Folgen einer einseitigen frühreifen Ausbildung ihrer Geistes- und Verstandeskräfte schlimm leidet. Nur der zähen Lebenskraft, die dank der durchschnittlichen Massigkeit in den meisten Gliedern dieses uralten Stammes steckt, hat das Judentum es zu danken, dass die heute unleugbare physische Unterwertigkeit — im Vergleiche zur germanischen Rasse — nicht bereits zu einer allgemeinen nervösen Entartung geführt hat, wie sie sich bei vielen Einzelnen in wachsendem Masse zeigt. •) Nach Recht und Gerechtigkeit. Wahlspruch Joachims I. *•) Aus einem Artikel von Karl Mann in der Sportzeitschrift «Kraft und Schönheit».