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Jüdische Turnzeitung · 1903-08-01 · 8 (8.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
8 (8.1903)
Date
1903-08-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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146 No. 8 dass sie zu diesen wahrhaft selbstbewussten Deutschen nimmer gehören. Wenn unsereiner über den Neuen Markt zu Berlin am Lutherdenkmal vorübergeht, wird er Luthers Grösse und Bedeutsamkeit nachempfinden, mitfühlen aber wird er im innersten Herzen mit jenen fünfunddreissig Juden, die zu Luthers Zeit auf eben jenem Platze unschuldig und standhaft den Feuertod erlitten. Diese sind unser Fleisch und Bein und unseres Lebens Mark. Aus ihrer und ihrer Brüder Asche erblühte unser Leben. Ein feiger Schwächling gilt uns der, der sie vergisst iyid nicht ihrem Heldentum, ihrer Heldenkraft, ihrem Heldengeiste ähnlich zu werden sich bemüht. Wie unedel sind wir geworden, da wir an unsere Väter von anderen erinnert werden müssen. Während diese andern uns von der Verschiedenheit unseres Volkes reden, stimmen wir schwach und heiser ein in den Sang deutscher Barden von Hermann, Barbarossa, Luther. Beinahe müsste man deutsche Turnvereine des Verrates an ihrer heiligen Sache beschuldigen, dass sie solche Misstöne in ihrem Liede dulden. Doch gemach! Es muss zugegeben werden, dass beiderseits die Humanität Einhalt gebietet, dass das neue deutsche Reich, an dessen Aufbau Juden tüchtig mitarbeiteten, oft die Hauptmelodie abgibt und dass der germanische Grundton zu stark ist, als dass er jüdischer Mithilfe bedürfte oder durch jüdische Stimmen ins Wanken käme. Den deutschen Turnvereinen erwächst in Wirklichkeit schon deshalb kein Schaden von ihren jüdischen Mitgliedern, weil diese meist nur ein schwaches jüdisches, dagegen ein starkes deutschpatriotisches Empfinden haben. Ist es nun denjenigen Juden, die noch mit ihrer Nation mitfühlen, deren Herz von der Schande fern- oder nahewohnender Brüder noch mitgetroffen wird, ist es ihnen genug, einer andern Nation nicht schädlich zu sein? Wenn Ihr bisher höchstens der Reinheit und Kraft jeder andern nationalen Idee im Wege standet, warum vereinigt Ihr euch nicht endlich, um das Feuer Euer eigenen Nationalität in Euerer Brust zu nähren? Oder ist der Verfall jüdischer Gemeinscbaftlichkeit noch nicht gross genug, da doch bereits die Brüder des Ostens bei uns weder für ihre Ideen noch für ihre Leiden Verständnis finden? Das Geschlecht der Alten, die sich noch aufopfernd um die jüdische Gemeinde bemühten,

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