Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 8 (8.1903)
- Date
- 1903-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4921092-5965009-5965199--0780-4921831- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
144 Na. 8 So erhebt sich aus der Betrachtung der nervösen Konstitution des jüdischen Volkes die pädagogische Forderung, dass wir — um in allgemeinen banalen Worten zunächst zu sprechen — bei der Erziehung unserer Kinder auf ihre jüdische Abstammung Rücksicht nehmen. Wie eine Ironie der Geschichte klingt es, dass selbst und gerade solche jüdische Kreise, welche es mit Entrüstung ablehnen würden, durch Hinzufügen religiöser oder nationaler Elemente zu der Erziehung ihrer Kinder deren Abstammung zu berücksichtigen, sich einer solchen Rücksichtnahme aus hygienischen Gründen nicht entziehen können. Auch die Fahnenflucht rettet nicht vor dem «magischen Judenkreise», in welche die Erziehung aus hygienischen Rücksichten verbannt werden muss. Gerade in jenen Zirkeln, in denen man bestrebt ist, den Makel der Geburt, der den. Kindern anhaftet, durch Erhebung derselben zu einem höheren Masse von Besitz äusseren und inneren Bildungsstoffes, fachmännischer Intelligenz und gesellschaftlicher Gewandtheit zu verwischen, rächt sich die Nichachtung der Herkunft von einem nervös disponierten Stamme in einer unverkennbaren Grausamkeit. Diese Prozesse spielen sich in den erwähnten Kreisen unter tragikomischen Begleiterscheinungen ab, die bei aller ernsten Bedeutung der Sache uns nicht selten ein Lächeln abnötigen. Für unsere grosse jüdische Bevölkerung bedeutet das gekennzeichnete erzieherische Problem indess eine vitale gesundheitliche Aufgabe. Warum wir nicht in der deutschen turnerschaft turnen. Von Dr. Mos*« Friedlander (Berlin). Denselben realen Grund wie die ältere, jetzt wiederaufgenommene Propaganda für Ackerbau unter den deutschen Juden, denselben hat aach die neue, erst schwache Propaganda unter ihnen für das Turnen, nämlich ihre unleugbare körperliche Degeneration. Jahrhunderte lang haben sie sich des Gebrauchs der Waffen und körperlicher Übungen überhaupt enthalten, Jahrhunderte lang sich einem einseitigen Gewerbe gewidmet und des freien Landlebens entwöhnt. Die Spuren auf dem heutigen Geschlecht sind tief und deutlich. Es bedarf also bei ihnen besonderer Anstrengungen für Turnen