Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 7 (7.1903)
- Date
- 1903-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 7 117 Auch der Laie vermag den Unterschied zwischen Neuhof und den angrenzenden Besitzungen zu erkennen. Das durch einen geschmackvollen Anbau erweiterte Gutshaus, welches ausser den Wohnräumen für den Inspektor und die Eleven Lehrsaal u. s. w. enthält, macht einen überaus freundlichen und gefälligen Eindruck. Die Eleven, die fleissig von den Anwesenden über die bisher erlangten Kenntnisse ausgefragt wurden, Hessen erkennen, dass sie Lust und Liebe zum neuen Beruf gefasst hatten. Sie werden zu allen Arbeiten herangezogen und systematisch dem Verständnis der Landwirtschaft zugeführt. Wer weiss, was es heisst, junge Leute, die bisher nur in städtischer Umgebung gelebt haben und städtischen Beschäftigungen nachgegangen sind, an die völlig verschiedene Betrachtungsweise und Betätigung, die das landwirtschaftliche Leben erfordert, zu gewöhnen, der wird erfreut zugestehen müssen, dass unsere jungen jüdischen Zöglinge sich schnell und leicht dem ihnen so fremden landwirtschaftlichen Milieu akklimatisiert haben. Es steht zu erwarten, dass in nächster Zeit noch einige Eleven Aufnahme finden werden, so dass wir bald eine kleine, aber treue jugendliche Streitschaar für die Idee der Bodenkultur auf deutschem Boden haben werden. Für die Leser dieser Zeitschrift, die mit besonderem Eifer die körperliche Hebung der Judenheit fördern wollen, sind die Bestrebungen des Bodenkulturvereins von ganz besonderem Interesse, sind sie doch keineswegs ausschliesslich aus wirtschaftlichen Motiven entsprungea. Soll auch durch die Überführung eines grossen Teiles der deutschen Juden zur Landwirtschaft in erster Linie die immer stärker anwachsende Not weiter Kreise der deutschen Judenheitbekämpft werden, hervorgerufen teilweise durch die allgemeinen Verhältnisse, ferner durch Überlastung der kaufmännischen und gelehrten Berufe durch Juden, und endlich durch die antisemitische Strömung, so ist doch ein zweites fast gleichwichtiges Motiv der Vorkämpfer dieser Idee die körperliche Hebung der Juden. Denn was vermag mehr den durch Jahrhunderte lange Beschränkung auf geistige Berufe in mancher Hinsicht geschwächten Körper der Juden zu stählen und zu kräftigen, als der landwirtschaftliche Beruf, als der ständige Aufenthalt in der frischen, freien Natur?! Hier ist der Punkt, wo sich die Bodenkulturbewegung mit der unserigen, der Turnbewegung, aufs innigste berührt. Mit Recht hiess es daher in dem Programm unserer Zeitschrift vom Januar d. J.: „Schliesslich haben wir für die Verbreitung wichtiger