Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1903-07-01 · 7 (7.1903) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
7 (7.1903)
Date
1903-07-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4921092-5965009-5965196--0753-4921805
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

118 No. 7 Lehren der Hygiene einzutreten. Darunter fällt z. B. der Hinweis auf nervenstärkende Berufe, wie Gärtnerei und Ackerbau". In der Tat, wir als jüdische Turner müssen uns dieser befreundeten Bestrebung gegenüber durchaus sympathisch stellen. Von diesem Gesichtspunkt ging der Neue Posener Turnverein aus, als er eine Turnfahrt nach Neuhof unternahm, „um diese neueste Schöpfung jüdischer Wohlfahrtsbestrebungen kennen zu lernen". 100 Mitglieder beteiligten sich an der Turnfahrt. Bei Gelegenheit des dargebotenen Frühstücks brachten der Geschäftsführer der Bodenkultur-Gesellschaft und der Vorsitzende des Turnvereins Trinksprüche aus, in denen sie auf die den beiden Vereinigungen gemeinsamen Ziele hinwiesen. Der Verein als solcher trat korporativ dem Bodenkulturverein bei, und 20 seiner Mitglieder einzeln. Das ist ein schöner Beweis dafür, dass der Posener Turnverein volles Verständnis dafür hat, dass die Förderung der Bodenkulturbestrebung durchaus in den Rahmen unseres Wirkens fällt. Überhaupt scheint dieser Verein in letzter Zeit eine erfreuliche Entwickelung durchzumachen, welche die etwas harte Kritik, die ihm in der Aprilnummer unseres Heftes zu teil wurde, nicht mehr gerechtfertigt erscheinen lässt. Der Schreiber dieser Zeilen hatte Gelegenheit, während eines Aufenthaltes in Posen mit mehreren führenden Persönlichkeiten des Vereins Rücksprache zu nehmen und konnte daraus die erfreuliche Kenntnis schöpfen, dass der Verein sich in einer aufsteigenden Bewegung zum „Jüdischen" hin befindet, dass mehr und mehr das zaghafte Auftreten schwindet und kraftvolles Betonen der jüdischen Besonderheit eintritt. Sein Verhalten zur jüdischen Bodenkulturbestrebung dokumentierte dies durchaus. Das auf Neuhof veranstaltete kleine Schauturen war das erste Schauturnen jüdischer Turner auf „jüdischem Land". Wir möchten den Aufsatz schliessen mit dem Wunsche: Wie sich vor kurzem ein „Verband der Vereine zur Förderung der Bodenkultur und des Handwerks unter den Juden Deutschlands" gebildet hat, der alle Vereine umfassen soll, die sich die wirtschaftliche Hebung der Juden zum Ziel gesetzt haben, so möge der bald ins Leben tretende Verband jüdischer Turnvereine das Zentrum bilden für alle Bestrebungen, die die körperliche Hebung der Juden verfolgen, in allererster Linie auch derer, die die Juden den gesunden Berufen der Gärtnerei und des Ackerbaues zuführen wollen!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.