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Jüdische Turnzeitung · 1903-07-01 · 7 (7.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
7 (7.1903)
Date
1903-07-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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116 No. 7 wahrlich keiner Widerlegung gewürdigt zu werden brauchen, — gibt es viele, die aus angeblich zionistischen Gründen gegen diese Bestrebungen auftreten oder sich ihr gegenüber wenigstens indolent verhalten. Die Behauptung, dass Juden wirkliche und echte Bauern nur im Heiligen Lande sein könnten, dass sie nur dort, wo „das Feld getränkt hat Makkabäerblut", d. h. wo jeder Baum und jeder Strauch, jeder Bach und jeder Hügel uns die grandiose Vorzeit unseres Volkes vor Augen führt, die wahre Liebe zum Boden empfinden würden, diese Behauptung stellt in dieser Form eine ausserordentliche Übertreibung dar. Der Zionist strengster Observanz, der die Errettung unseres Volkes ausschliesslich auf dem Boden Palästinas erwartet, wird zugeben müssen, dass es kaum anzunehmen ist, dass alle Juden aller Länder je wieder in Palästina vereinigt sein werden, und er wird zugeben müssen, wie es ja ganz selbstverständlich ist, da*s diejenigen, die in den bisherigen Wohnsitzen bleiben werden, ebenso treue Juden und Mitglieder unseres Volkes genannt werden müssen, als die, welche nach Palästina gehen. Nun, und für diese muss zum mindesten doch ebenso gut gesorgt werden, wie für die nach Palästina wandernden. Für sie ist die Frage der Zuführung zur Bodenkultur eine Lebensfrage. Sie ist es vom wirtschaftlichen, vom sozialen und vom hygienischen Standpunkt aus. Mögen daher endlich die Zionisten die aus ihren Maximen keineswegs ableitbare Abneigung endlich aufgeben und Freunde eines Unternehmens werden, das weit davon entfernt, eine auf kleinliche Wohltätigkeit ausgehende Vereinsmeierei zu sein, vielmehr unter den heutigen schwierigen Verhältnissen, den mannigfachen ihm entgegengebrachten Vorurteilen eine wahrhaft eminent soziale Tat genannt zu werden verdient. Wenn der Verein heute ungefähr 1700 Mitglieder zählt, und die von ihm gegründete Bodenkulturgesellschaft m. b. H. durch Anteile bisher 40 000 Mk. zusammengebracht hat, so sind dies gegenüber der angewandten propagandistischen Tätigkeit freilich nur bescheidene Erfolge. Immerhin hat man durch den Ankauf des Gutes Neuhof bei Posen und durch die Aufnahme einiger Eleven einen vielversprechenden Anfang gemacht. Am Sonntag, den 12. Juli, fand eine offizielle Besichtigung des Gutes durch die Gesellschafter und Vorstandsmitglieder des Bodenkulturvereins statt. Allseitig wurde von den Fachleuten die energische und sachverständige Leitung durch den Geschäftsführer im Ehrenamt, Herrn Mühlenbesitzer Rosenthal, anerkannt. Die Felder stehen gut und lassen eine recht günstige Ernte erwarten.

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