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Jüdische Turnzeitung · 1903-05-01 · 5 (5.1903) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
5 (5.1903)
Date
1903-05-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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84 No. 5 Uniform nebst Seitengewehr. Es ist zwar kein Zögling gezwungen, sich eine Uniform machen zu lassen, aber welcher junge Mann kann wohl diesem Reize widerstehn? Die jungen Leute haben die Verpflichtung, Offiziere und Unteroffiziere des Heeres zu grüssen, als ob sie auch dazu gehörten. In der Jugendwehr gibt es natürlich auch „Einjährig freiwillige", ausserdem nicht bloss gewöhnliche Infanteristen sondern auch „Jäger", die grüne Uniform tragen. Eine Musikkapelle und eine Jugendwehr zur See vervollständigen das Bild. Die ganze Veranstaltung ist meines Erachtens nichts als eine rein auf Äusserlichkeiten berechnete Soldatenspielerei, der nach dem Zeugnisse zahlreicher Offiziere keinerlei militärischer Wert beizumessen ist. Ein gewisser politischer Zweck und Beigeschmack ist hierbei unverkennbar. Es ist bedauerlich, wenn auch erklärlich, dass das Turnen in den sogenannten hohen und höchsten Kreisen als Stiefkind behandelt wird, wogegen die Jugendwehr persona gratissima ist. — Wie erscheint nunmehr die Jugendwehr in der Öffentlichkeit? Es ist erklärlich, dass Soldaten, die unter dem Zwange der Disziplin stehen, leicht zu Ausschreitungen neigen, sobald sie dieses Zwanges ledig sind. Wieviel mehr diese jungen, unreifen Burschen, die sich in den „Flegeljahren" befinden! Stolz und selbstbewusst, an der Seite das Schwert, zeigen sie sich dem Publikum. Es ist anlässlich des Falles Hüssener erörtert worden, ob das Waffentragen ausser Dienst dem Militär nicht zu verbieten sei. Diesen unreifen jungen Leuten nun gibt man eine 'Waffe an die Seite, die wahrscheinlich erst dann öffentlich verdammt werden wird, wenn einmal ein grösseres Unglück sich zugetragen hat. Wer schon einmal gesehen hat, wie Bich die Zöglinge der Jugeudwehr bei ihren Festen benehmen, der wird von dieser Art Jugenderziehung und körperlicher Ausbildung eine sehr geringe Meinung haben. Mit Geschick haben die Führer der Jugendwehr auf die Eitelkeit der jungen Leute, beziehungsweise ihrer Eltern spekuliert. Blanke Knöpfe, goldene Tressen, rauschende Musik, Paraden vor hohen Herrschaften, sind für diejenigen nicht geringe Zugmittel, die nach äusserem Schein und buntem Flitterkram haschen. Das Turnen in seiner schlichten, volkstümlichen Einfachheit sucht nicht nach äusserem Prunk. Tüchtige turnerische Ausbildung, sittliche und moralische Erziehung muss an den Lehrlingen geübt werden. Nicht militärischer Zwang auf der einen und Zügellosigkeit auf der anderen Seite, sondern Disziplin und Freiheit im richtigen

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