Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 5 (5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 83 Turnen und Jugendwehr. Von Theobald Scholem. Seit einigen Jahren besteht in Berlin der Verein „Jugendwehr", welcher es sich zur Aufgahe macht, junge Leute von 14—20 Jahren körperlich nach militärischem Schema auszubilden. Der Vorstand des Vereins, — zumeist Offiziere a. D. oder z. D. — wendet sich von Zeit zu Zeit in einem Flugblatte an die Bevölkerung Berlins und rührt die Werbetrommel für Zöglinge in genanntem Alter „ohne Unterschied des Bekenntnisses." Es ist noch nicht festgestellt, ob und wie viele jüdische junge Leute sich unter den ungefähr 1000 Angehörigen der Jugendwehr befinden. Aus vielen Gesichtspunkten heraus erscheint auch für uns eine Betrachtung des Wirkens der Wehr notwendig. Nicht zu verwechseln sind die Bestrebungen der englischen und amerikanischen „lads brigades", z B. der seiner Zeit in der „Jüdischen Turnzeitung" besprochenen „jewish lads brigade" des Colonel Goldsmid in London, mit der deutschen Gründung. In Deutschland haben die meisten Turnvereine Lehrlingsabteilungen, die einen wichtigen Faktor für den Nachwuchs der Männer ab teilungen darstellen. Das Turnen geschieht in ihnen fast in der gleichen Ordnung wie bei den Männern. Der Leiter der Abteilung ist jedoch gleichzeitig der Erzieher seiner Lehrlinge, der sowohl auf dem Turnsaal wie bei anderen Veranstaltungen die oft schwer zu regierenden jungen Leute turnerisch ausbildet und sittlichen wie moralischen Einfluss auf , sie ausübt. Es ist zumeist trotz des Gegensatzes zwischen Lehrer und Schülern ein Freundschaftsbund, welcher den Leiter seinen Lehrlingen und diese ihrem Führer wert und teuer machen. Der freiheitliche Zug, ein frischer und fröhlicher Geist, welcher sich durch das ganze Turnwesen hindurchzieht, weht auch in den Lehrlingsabteilungen. Das Turnen ist ein Beweis dafür, dass sich Disziplin und Freiheit miteinander sehr wohl vertragen können. Wie steht es nun hiermit bei der Jugendwehr? Die Ausbildung geschieht militärisch. Ehemalige, zum Teil sogar noch aktive Unteroffiziere drillen die Zöglinge. Der Feldwebel ist der Vorgesetzte, an der Spitze der einzelnen Riegen, richtiger gesagt Korporalschaften, stehen „Unteroffiziere," d. h. Zöglinge die man mit Tressen versehen und „befördert" hat. Damit kommt man zum Kernpunkte der Jugendwehr, zum „Köder." Dieser Köder ist die