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Jüdische Turnzeitung · 1903-05-01 · 5 (5.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
5 (5.1903)
Date
1903-05-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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82 No. 5 bei der alkoholischen Entartung Epilepsie und Idiotismus eine bemerkenswerte Rolle. Dies bestätigen noch besser einige grössere Statistiken: z. B. war unter 2104 Kindern, die wegen Blödsinn, Schwachsinn, Epilepsie oder Hysterie zum ersten Male in Bicötre (Paris) wahrend des Zeitraumes von 1875—1900 interniert wurden, bei 933 Kindern der Vater Alkoholist, bei 80 die Mutter, bei 40 beide Eltern, insgesamt also bei 50 pCt. Alkoholismus in der Ascendenz zu konstatieren. — Erschreckend gross ist ferner die Zahl der eigentlich Geistesgestörten, die aus Trinkerfamilien stammen. Nun müssen wir noch eine für unsere Frage ausserordentlich wichtige Untersuchung kennen lernen, die erst durch eine auffallende Tatsache bei der Sichtung des gesammelten Materials zur Alkoholfrage in Beziehung kam: die hochbedeutsame statistische Sammelarbeit des Baseler Physiologen G. v. Bunge „Die zunehmende Unfähigkeit der Frauen, ihre Kinder zu stillen. Die Ursache dieser Unfähigkeit, die Mittel zur Verhütung." Wenngleich Bunge seine Arbeit noch nicht abgeschlossen hat, sondern noch weiteres Material sammelt, so erhellt doch schon heute die wichtige Rolle, die der Alkoholismus auch in dieser für die Wohlfahrt des Volkes so wichtigen Frage spielt. Jeder wird die unbedingte Notwendigkeit zugeben, dass alles getan werden müsse, um einen Faktor aus unserem Leben zu beseitigen, der nach allen Richtungen hin die menschliche Rasse in der gefährlichsten Weise schädigt. Und es unterliegt keinem Zweifel mehr, dass heute bereits alle Kulturvölker, die einen mehr, die anderen weniger unter dieser Geissei leiden. Dabei ist es eine bekannte Tatsache, dass die Entartung um so rascher einsetzt, je mehr plötzlich der Konsum der alkoholischen Getränke steigt; die ursprüngliche Bevölkerung Amerikas verdankte ihren raschen Untergang mehr dem „Feuerwasser" des weissen Mannes als seinen überlegenen Waffen.*) An diese Tatsache darf vielleicht erinnert werden, wenn man einmal vom Standpunkt der Alkoholfrage aus die jüdische Stammeshygiene betrachten will. Von vornherein ungemein mössig, verdankt der Jude sein ausdauerndes Vorwärtsstreben und seine beneideten Erfolge zum Teil eben dieser grossen Nüchternheit. Dem Kleinen muss sie also als Mittel zum Zwecke, sich aus gedrückten Verhältnissen emporzuarbeiten, als Notwendigkeit klar werden. Gelangt er aber zu gesicherter Lebensstellung, dann handelt es sich gerade für ihn darum, die Tugend weiter zu üben und sie seinen Kindern zu lehren, dazu muss eine Klippe vermieden werden — nicht zum wenigsten in Deutschland —, das sind die allgewaltigen Trinksitten, die schon oft Grösstes und Bestes scheitern Hessen. Und hierzu glebt es nur ein souveränes Mittel, mit dem man nicht nur sich selbst, sondern besonders auch durch die grosse Macht des guten Beispiels seinen schwächeren Brüdern hilft: das ist, wie die geschichtlich bewiesene Unzulänglichkeit des Mässigkeitsprinzips und dem gegenüber bereits die grossen Erfolge der Abstinenzbewegung in einzelnen Ländern gezeigt haben, die vollständige Enthaltsamkeit von allen alkoholischen Getränken. *) Man vergleiche hierzu auch die nach Untersuchungen Waldenburgs durch Alkoholismus verursachte Entartung der Nordfriesen auf den Halligen (s, d. Aufsatz „Zur jüdischen Rassenfrage" im Oktober- und Dezemberheft 1902 dieser Zeitschrift. Anmcrkg. d. Redakt.).

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