Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 4 (4.1903)
- Date
- 1903-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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70 No. i Olmütz. Unsere im Februar veröffentlichte Nachricht von der Verschmelzung des bisherigen deutsch-„liberalen" mit dem antisemitischen Turnverein „Jahn" und die sich daran knüpfenden Bemerkungen über die Haltung der dortigen Juden erfahren eine interessante Bereicherung durch die Tatsache, dass auf der jüngsten ordentl. Generalversammlung des neugeeinten Turnvereins der Beschluss gefasst wurde, die alte Bestimmung, wonach dem Turnrat die Entscheidung über die Aufnahme neuer Mitglieder zufallt, aufzuheben und der Gesamtheit der Mitglieder zu übertragen, die ihrem Turnrat offenbar die Durchführung des Grundsatzes der Judenreinheit nicht gern allein überlassen wollten; denn dass die Spitze dieses Beschluses gegen die Juden gekehrt ist, kann nach der Lage der Dinge keinem Zweifel unterliegen. Wichtiger ist aber für uns der Umstand, dass ein solcher Beschluss überhaupt notwendig erschien; er lässt nämlich darauf schliessen, dass die „Gefahr" als vorliegend oder drohend erachtet wurde, die Juden trotz der deutlichen Haltung ihrer deutsch-chauvinistischen Turn-„Freunde" dennoch Neigung zeigen, ihnen ihre Mitgliedsbeiträge aufzudrängen. Posen. Der bei unserer Redaktion bereits vorigen Monat eingegangene Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des Neuen Posener Turnvereins (Posen, 1902, 8 Seiten) nebst beigefügten Vereinsstatuten konnte wegen Raummangels nicht mehr im letzten Hefte besprochen werden. Überdies haben wir es uns lange überlegt, ob wir uns überhaupt mit dem Verein zu beschäftigen hätten und ob es nicht angebrachter wäre, ihn einfach mit festem Strich aus unserer Tafel der jüdischen Turnvereine wegzustreichen. Die bereits im vorigen Jahrgange der Jüdischen Turnzeitung mit der gebührenden Ironie gewürdigten drei ersten Paragraphen der Vereinsstatuten stehen nämlich so sehr im Gegensatz zur mannhaften, offenehrlichen Tendenz aller übrigen jüdischen Turnvereine, dass sie als warnendes Beispiel an dieser Stelle wörtlich festgenagelt seien: § 1: Der Verein, von Juden Posens gegründet, bezweckt die Förderung der körperlichen Ausbildung der Juden Posens durch Turnen und ähnliche Übungen. § 2. Alle religiösen sozialpolitischen, insbesondere zionistischen und antizionistischen Betätigungen im Verein sind ausgeschlossen. § 3. Mitglied de- Vereins kann jede unbescholtene Person werden, die das 18. Lebensjahr «ottendet hat. Obwohl wir uns zu dieser Neuen Posener Logik nicht aufzuschwingen vermögen, glauben wir doch, um der Zukunft des Neuen Posener Turnvereins willen, dessen Mitglieder, wie wir wissen, sich ihres Versteckspielens täglich mehr schämen, die Pflicht zu haben, den uns zur Besprechung eingesandten Jahresbericht nun auch zu besprechen. Wir gestehen damit ein, dass der Neue Posener Turnverein zu den jüdischen Turnvereinen gehört, wenn auch nur als Anhängsel! Dass er jüdisch ist, trotz