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Jüdische Turnzeitung · 1903-04-01 · 4 (4.1903) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
4 (4.1903)
Date
1903-04-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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06 No. i Sprungbrett und Reck, speziell aber die Musterriege am Barren; sie Messen die ernste und gewissenhafte Arbeit erkennen, die in beiden Vereinen aufgewendet worden war. DenBeschluss machte ein fröhliches Drittenabschlagen, und mit Gesang, wie sie gekommen, verliessen die Turner den Saal. Man darf wohl sagen, dass dieses kleine Schauturnen den „Bar KochbC sowohl wie den „Jung Juda" im besten Lichte erscheinen Hess. Um 8V2 Uhr war der Kommers angekündigt. Die Gaste strömten zahlreich herbei, so dass der grosse Saal des Gesellschaftshauses vollständig gefüllt war. Um 9 Uhr eröffnete Herr Hugo Schüler den Kommers und erteilte sofort Herrn Dr. Ernst Tuch, dem Vorsitzenden des jüdischen Turnvereins „Bar Kochba", das Wort zu einem Vortrage. Dieser führte etwa folgendes aus: ein frischer, froher Geist wehe durch die moderne Judenheit, der frischeste durch die jüdische Turnbewegung. Alle Angriffe, die sich gegen sie gewendet hätten, seien siegreich zurückgewiesen, alle Befürchtungen, die von jüdischer Seite aus geäussert worden, Lügen gestraft worden. Kraftvoll schreite die Bewegung vor. Eben jetzt sei man mit der Bildung des Verbandes der jüdischen Turnvereine beschäftigt. Das Streben des Vereins „Jung Juda" habe in Frankfurt leider noch immer nicht die volle Anerkennung gefunden, die es verdiene. Der Redner schloss mit dem warmen Appell an die Anwesenden, sich entweder selbst dem Vereine anzuschliessen oder ihre Angehörigen ihm zuzuführen, um so mitzuarbeiten an der Stärkung und Kräftigung der zukünftigen jüdischen Generationen. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Während des sich anschliessenden Kommerses, der in angeregtester Stimmung verlief, traten bereits 15 neue Mitglieder dem „Jung Juda" bei. Der Tanz hielt die Gesellschaft bis zur frühen Morgenstunde in fröhlichster Stimmung beisammen. Die ganze Veranstaltung kann als ein schöner Erfolg angesehen werden, und zugleich als ein Zeichen, wie vorteilhaft der neue Verband zur Hebung der ihm angeschlossenen Vereine wirken wird. Berlin. Jüdischer Turnverein „Bar Kochba". Am Freitag, den 10. April fand eine Turnfahrt von Mitgliedern der I. Männerabteilung statt. Vom Stettiner Bahnhof fuhr man nach Birkenwerder, wo man sich durch ein erstes Frühstück für den kommenden Marsch stärkte. Mit frohem Gesang zogen wir nun die Briese entlang und zwar in einem wegen der kalten Witterung etwas beschleunigten Tempo, In Oranienburg angekommen vergnügten wir uns 1% Stunden lang am freudigen Kegelspiel auf trauriger Bahn, und gingen von dort nach der vegetarischen Obstbaukolonie Eden, Nach einem streng vegetarischen Mittagessen wurden wir von dem Geschäftsführer der Gesellschaft, Herrn Jackisch in liebenswürdigster Weise durch die Kolonie geführt und Ober die Art ihres Aufbaues belehrt. Das Ganze ist in einer Weise angelegt, die in gewissem Sinne den Vorschlägen des genialen Franz Oppenheimer entspricht. Jeder Kolonist hat eine eigene Heimstätte von etwa l1/^ Morgen und kann sich (wenn er will) als Arbeiter der Genossenschaft auf dem der Genossenschaft gehörigen Boden seinen Lebensunterhalt erwerben. Das Ganze ist ein vor einigen Jahren begonnenes und bereits heute als gelungen zu bezeichnendes Unternehmen, welches die Menschen der Grosstadt entziehen und sie einem gesünderen und höheren Leben zufahren will. Die Beschreibung des Herrn Jackisch hat in unsern Reihen viel Interesse und Sympathie für den Grundgedanken hervorgerufen. Von Eden mussteu wir in grösster Eile nach Oranienburg zurückkehren, um den angesetzten Zug nach Berlin zu erreichen. Die Rückfahrt wurde durch manch heiteres und ernstes Lied abgekürzt. Der ganze Tag war recht harmonisch verlaufen.

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