Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 4 (4.1903)
- Date
- 1903-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4921092-5965009-5965186--0683-4921738- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 4 63 familienweise Besuch anderer Veranstaltungen. Wenn die Angehörigen unserer Mitglieder zu unsern Vorträgen, Kursen, Festen und Generalversammlungen kommen, so wird ihnen am ehesten klar werden, wie wir unsere Gedanken in die Praxis umsetzen. Die Sprache der Tatsachen, die mit eigenen Sinnen gewonnene Uberzeugung von dem in unseren Reihen herrschenden Geiste wird eindringlicher reden, als alle Berichte und Erzählungen. Eine besonders wirkungsvolle Rolle werden dabei die Spiele im Freien erlangen, wie sie der Bar Kochba schon seit drei Jahren, solange es die Jahreszeit gestattet, an freien Nachmittagen abhält. Der erfreuliche Brauch, die Sonntagnachmittage ausserhalb der Städte zu verbringen, ist ohnedies weit verbreitet, und er sollte, wo er noch nicht besteht, eingeführt werden. Veranlassen wir also die Unseren, statt anderer Ziele den Vereinsspielplatz zu wählen. „Mein Ideal von dem Spielbetriebe eines Vereins ist das, dass der ganze Verein, die älteren Mitglieder mit ihren Familien, des Sonntags nach einer Wiese am Walde oder im Walde hinauszieht oder mit den bequemen und billigen Verkehrsmitteln der Gegenwart hinausfährt. Draussen befindet sich ein einfaches Haus mit bescheidener Wirtschaft, einem Kleiderraume und einem Geräteschuppen. Auf dem Wiesenplane mögen nun unsere Turner stossen, laufen, springen und ringen, unsre Zöglinge Fussball, Schlagballi und Schleuderball spielen, unsre Turnerinnen und die alten Herren den Faustball und Tamburinball schlagen, unsre Knaben und Mädchen allerlei Lauf- und Ballspiele betreiben." (Aus Gasch: Die Einführung der „Spiele im Freien" in das Ganze des Turnbetriebs der Turnvereine.) Wenn wir dann zur kraftvoll-gewandten Tat ein frohes Lied singen und irgend jemand ein herzhaftes Wort redet, dann blickt jedes Auge heller, dann belebt sich das Gefühl der Zusammengehörigkeit und mancher wird mit fortgerissen, der sonst kühl und ablehnend bleibt. Nur wer es selbst gesehen und innerlich erlebt hat, wie da draussen, wo der ganze Mensch in Tätigkeit gesetzt wird und in jauchzender Lust sich ausarbeitet, auch die zwingende Kraft der Idee in uns lebendig wird, wie wir das Weben des Volksgeistes in uns spüren, der versteht es, wie tief und lange gerade diese schönen Stunden bei allen Teilnehmern wirken und welchen Gewinn wir von dort mitheimtragen. „Ein solcher Spielbetrieb würde eine erfreuliche Ergänzung