Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 4 (4.1903)
- Date
- 1903-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 61 körperlicher Tätigkeit zu gemessen. Bei solchem Amtsmissbrauch, der selbst dem grössten Optimisten jede Aussicht auf Besserung als Illusion erscheinen lässt, ist es freilich geraten, sich von der Behörde zu emanzipieren und an die Errichtung eines eigenen Turnhauses zu denken. Diese Zeilen können und sollen nun selbstredend nicht auch nur im entferntesten das fragliche Thema erschöpfen, sie sollen nur ein Wegweiser für die Beteiligten sein, ein Fingerzeig für das Allererste und Allernotwendigste derartiger Unternehmungen. Wie oft sind schon die schönsten Pläne, deren Durchführung ein Leichtes gewesen wäre, ins Wasser gefallen, bloss deshalb, weil man sie am verkehrten Ende anfasste! Es würde töricht sein, wollte man in der Grossstadt den Bau eigener, nur auf sich selbst gestellter Vereinsturnhallen ins Auge fassen. Das verbieten einfach die immensen Bodenpreise des Zentrums der Grossstadt, in welchem natürlich die Halle liegen muss, soll sie eben für möglichst viele in Betracht kommen. Der Preis für Grund und Boden einer mittleren Turnhalle dürfte sich kaum unter 100 000 Mk. stellen, vom Turnplatz ganz zu schweigen. Es Hesse sich nur dann etwas erreichen, wenn die jüdische Gemeinde veranlasst wird, für ihre Schule eine Halle zu bauen, die dann wohl auch dem Vereine zu Gute käme. Oder auch: die Halle müsste in Verbindung mit allgemeinen jüdischen Vereinshäusern, wie sie im Dezemberheft 1902 der „Jüdischen Turnzeitung" geschildert sind, errichtet werden, dann würde sich jedenfalls ihre Rentabilität etwas erhöhen. Leichter gestaltet sich der Bau von Vereinsturnhallen in mittleren und kleineren Städten. Der Platz kann, da auch so leicht erreichbar, im billigeren Weichbild der Stadt liegen; bei Mangel an genügendem Kaufgeld Hesse sich eher als in den Grossstädten ein Pachtverhältnis erzielen, nur heisst es dann Vorsicht üben wegen der schwierigen Eigentumsverhältnisse, die sich daraus ergeben können, dass auf fremden Grund und Boden gebaut wird. Die eigentlichen Baukosten sind geringer, als man gewöhnlich annimmt. Für 8000—10 000 Mk. lässt sich schon eine kleine brauchbare Halle herstellen. Für dieFrage der Lage, der äusseren und innerenEinrichtungetc. sind im allgemeinen lokale Verhältnisse massgebend. Es würde auch zu weit führen, wollte ich hier einen Extrakt der in der zahlreichen Literatur über diese Fragen enthaltenen Erfahrungen geben. Die