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Jüdische Turnzeitung · 1903-04-01 · 4 (4.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
4 (4.1903)
Date
1903-04-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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No. 4 59 Die Resultate, die man mit solchen Versuchsanordnungen erhielt sind nur eine exakte Bestätigung erfahrungsmassig gewonnener Anschauungen des taglichen Lebens, wie denn die Erfahrung der wissenschaftlichen Feststellung einer Tatsache so oft vorausgeht. Jedermann, der beobachtet und überlegt, hat bei sich und andern gewiss schon wahrnehmen können, wie bei turnerischen Übungen, beim Bergsteigen, Radfahren und der Ausübung jedes andern Sports der Alkoholgenuss selbst in massigsten Dosen die Quantität und Qualität der Leistung herabdrückt. Diese Beobachtung sehen wir systematisch ausgenutzt werden, sobald es sich darum handelt, aussergewöhnliche körperliche Anstrengungen zu ertragen, besonders unter ungünstigen und ungewohnten Lebensbedingungen. Nansen wusste, dass man ohne Alkohol die Kalte am besten erträgt, und erklärt es für das „Richtigste, den Alkohol als Getränk von den arktischen Expeditionen zu verbannen." Dass man ebenso unter der Gluthitze der tropischen Sonne am besten alkoholabstinent lebt, beweisen die Erfahrungen dort lebender Ärzte und besonders auch jener kühnen Afrikaforscher wie Stanley und Emin Pascha. Wenn sich heutzutage ein Sportsman auf einen Wettbewerb vorbereitet, so sehen wir ihn fast immer wahrend der Zeit seines Training alle Alkohoiica meiden Aber wie selten werden aus diesen bekannten Tatsachen konsequente Schlüsse gezogen! Die meisten sportlichen Vereine feiern ihre Siege und Feste in der üblichen Weise mit einer Überschwemmung mit alkoholischen Getränken. Es sind nicht wenige sportliche Vereine, die ihren Übungsstunden mehr oder minder offiziell eine Erholung am Biertisch folgen lassen, und wer einmal einem grossen allgemeinen Turnfest beiwohnen konnte, hatte am Abend reichlich Gelegenheit, die verderblichen Wirkungen des Alkoholgenusses an zahlreichen Turnern zu beobachten. Man kann also wohl 'm allgemeinen heute noch nicht annehmen, wie Optimisten es uns so gern wollen glauben machen, dass die erhöhte Pflege des Sportes, obwohl dessen Ausübung gerade den schädigenden Einfluss des Alkohols so greifbar vor Augen führt, auf den Alkoholkonsum der beteiligten Kreise bereits den erwarteten, wesentlich günstigen Einfluss ausgeübt hatte. Dabei ist es doch so einfach, folgendermassen zu erwägen: ich weiss, Alkoholgenuss schadigt den Vollwert meiner Leistungsfähigkeit; wenn ich auch nicht jeden Augenblick meine ganze Vollkraft anwenden muss, so weiss ich doch nicht, wann der Augenblick durch erhöhte Inanspruchnahme meiner Fähigkeiten durch Unglücksfälle, Krankheiten diese Forderung an mich stellen wird — und schliesslich: wenn Zeit und Sorgen im Kampf ums Dasein schon beständig an unserer Kröflefülle nagen, ohne dass wir es verhüten können, ist es da nicht eine Torheit, sie auch noch — langsamer oder schneller, aber sicher — von einem Feinde zerbröckeln zu lassen, dem wir im Beginne so leicht aus dem Wege gehen können? Und wer erkannt hat, dass er, um sein ideales Ziel zu erreichen, eines gestählten Körpers bedarf, muss der als Mittel zum Zweck hierzu die Enthaltung von allen alkoholischen Getränken nicht als überaus nützlich, ja notwendig anerkennen? (Schluss folgt.) 4»

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