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Jüdische Turnzeitung · 1903-04-01 · 4 (4.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
4 (4.1903)
Date
1903-04-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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58 No. 4 arbeiteten, und fand, dass ganz allgemein Alkoholgenuss die Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Z. B. zeigte ein Selbstversuch, den Frey nach sechswöchentlicher Abstinenz vornahm, folgendes Resultat: um 8 Uhr vormittags leistete er eine Arbeit von 5,680 kgm, um 9 Uhr 40 Min. eine solche von 5,896 kgm, nach ca. 1 Stunde nahm er 3/io L. Bier zu sich und machte nach 10 Minuten unter sonst ganz gleichen Verhältnissen einen Versuch, bei dem er es aber nur bis zu 3,276 kgm brachte. Dabei ist es höchst interessant, dass alle Versuchspersonen nach dem Genuss von Alkohol unter dem illusionären Eindruck standen, als leisteten sie jetzt weit Besseres. Andererseits glaubte Frei aber aus seinen Versuchen konstatieren zu müssen, dass Alkohol bei ermüdeter Muskulatur von günstiger Wirkung wäre, da er dann bessere Resultate erzielte, als ohne vorherigen Alkoholgenuss, ohne dass diese jedoch die Höhe der Arbeitsleistung des frischen Muskels erreichten. Wenn man davon absieht, dass es für den normalen Ablauf unserer körperlichen Funktionen nicht von Nutzen sein kann, dass wir, über die eingetretene Ermüdung hinweggetäuscht, Reservekräfte in Anspruch nehmen, so haben Nachprüfungen der Frey'schen Experimente aber ausserdem ergeben, dass zwar in der Tat ganz kurze Zeit nach dem Alkoholgenuss (auch bei nicht ermüdeter Muskulatur!) eine Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit und zwar durch psychische Beeinflussung, vorhanden ist, dass aber dann wieder nach ganz kurzer Zeit die lähmende Wirkung des Alkohols sich geltend macht, sodass die Summe der Arbeitsleistung ein quantitativ wie qualitativ schlechteres Resultat ergiebt. Hieraus wird uns der schädigende Einfluss des Alkohols auf Dauerleistungen ohne weiteres klar. Andererseits bedarf es aber zu einer momentanen Kraftentfaltung für eine an Alkohol nicht gewöhnte Person keineswegs dieses Stimulans, sondern hier genügt und wirkt dauernder und intensiver eine energische Anspannung des Willens, jene Fähigkeit, die gerade durch den gewohnheitsmässigen Alkoholgenuss in charakteristischer Weise geschädigt wird*. Um sich in unserer Frage einige Klarheit zu verschaffen, benutzte man schon früher eine andere, mehr statistische Metode, das Massenexperiment, indem man die Leistungen von möglichst gleichartigen abstinenten und nicht abstinenten Arbeitergruppen oder die Leistungen derselben Gruppe bei Alkoholgenuss und ohne denselben verglich. Aus den überaus zahlreichen Versuchen dieser Art, die durchgängig ein eindeutiges Resultat zu Gunsten der Enthaltung von allen alkoholischen Getränken erbrachten, sei nur der durch seine Kombinationen interessante Versuch von Dr. Parkes hier angeführt. Parkes teilte ein Truppenkontingent in zwei Abteilungen und beobachtete ihre Leistungen, indem er sie abwechselnd mit und ohne Alkohol [in Form von Bier] verpflegte. Jedes Mal war aber das Resultat so, dass die Nichtalkoholabteilung den Vorsprung, den die Alkoholabteilung ihr im Anfang abgenommen hatte, bald erreichte und sie dann stets überholte. Dieses Resultat wird dadurch noch treffend charakterisiert, dass die Soldaten der ersten Alkoholabteilung um Entziehung der Bierration baten, als sie merkten, dass sie bei ihren Leistungen, für die sie mit Geld entschädigt wurden, nicht so viel verdienten als die Nichtalkoholabteilung.,

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