Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 3 (3.1903)
- Date
- 1903-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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48 No. 3 Bewusstseins der vollen Leistungsfähigkeit erzeugt ein wohltuendes Kraftgefühl und Selbstvertrauen. Aber das Tränieren hat auch einen hochanzuschlagenden moralischen Wert. Die jungen Leute, welche in Sportvereinen, in Spielvereinen, ja, auch vereinzelt in Turnvereinen sich einem regelrechten Tränieren unterwerfen, legen sich damit "freiwillg eine grosse Summe von Entbehrungen und heftigen, unausgesetzten Anstrengungen auf. Ein grosser Teil unserer Jugend, namentlich in den grösseren Städten, gewöhnt sich allzu leicht an ein Übermass von Genüssen, sucht seine Erholung im Wirtshausleben, im Aufsuchen nichtssagender, ja, Lüsternheit erweckender Schaustellungen. Demgegenüber muss die Summe von Willenskraft und selbstauferlegter, harter Leibeszucht, welche im Tränieren der Sportjünger sich kundgiebt, selbst dem Achtung einflössen, der mit manchen Eigentümlichkeiten des heutigen Sportwesens sehr wenig einverstanden ist." Der dritte Teil, die „Bewegungslehre der Leibesübungen", zerfällt in die beiden Hauptabschnitte „Ruhehaltungen" und „Ortsbewegungen". Welche Fülle von Material in diesem mehr für den Fachmann als den Laien bestimmten fast zweihundert Seiten umfassenden Kapitel verarbeitet ist, mag aus der Aufzählung der verschiedenen, eingehend besprochenen Gangarten hervorgehen, an deren Spitze die theoretische Einleitung über „die Befähigung des Körpers zu Dauerleistungen in den verschiedenen Fortbewegungsarten" steht: natürlicher Gang, gravitätischer Schritt, Kunstschritt (Zehengang, Gang mit gestreckter Fussspitze, militärischer Marsch, „langsamer Schritt", Eilgang, „Dreischritt", Beugegang, athletisches Schnellgehen). Ebenso einfach, klar und übersichtlich wie der textliche Charakter des Buches ist der seiner Abbildungen, die schier überreich den Text erläutern helfen. Für den, der sich über das eine oder andere Gebiet eingehender informieren will, dient .ein Nachweift der bezüglichen neueren Litteratur. Nach alledem können wir die Frage, ob das Buch wirklich seiner vielseitigen Aufgabe gerecht wird, in jeder Hinsicht bejahen. Wir würden seiner Besprechung einen geringeren Raum zugewiesen haben, wären wir nicht von dem Wert überzeugt, den eine so umfassende Belehrung über die körperlichen Grundlagen unseres Gebietes gerade für uns jüdische Turner hat. Bücher, so wie dieses von einem Hauch des Gesunden und Kraftvollen erfüllt, sollten den Grundstock der Bibliotheken