Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1903-03-01 · 3 (3.1903) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
3 (3.1903)
Date
1903-03-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4921092-5965009-5965185--0658-4921714
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 3 43 Vor Allem sind es die Blutgefässe, welche bei fortgesetztem Tabakmissbrauch mit der Zeit erkranken. Es kommt zu Verkalkung der Schlag-(Puls)adern und je nach dem angegriffenen Aderbezirk zu Erkrankungen des Herzens oder des Gehirns, oder der Nieren, oder aller dieser Organe zusammen. In anderen Fällen sind es wieder mehr die Nerven, welche geschädigt werden, so dass die verschiedensten Formen der Nervosität oder Neurasthenie Unlust und Unfähigkeit zu ernster Tätigkeit, Verstimmung und Reizbarkeit, Abnahme der geistigen und körperlichen Energie, Impotenz u. s. w. entstehen, mit einem Worte, ein vorzeitiges Gr eisentum. Mir sind im Laufe der Jahre gerade aus Russland, wo besonders viel Missbrauch mit Cigaretten getrieben wird, eine grosse Zahl von Personen (darunter auch besonders Aerzte und Advokaten) vorgekommen, die mit 50 Jahren ergraut waren und den Eindruck von Greisen machten, hauptsächlich in Folge übermässigen Tabakrauchens, wenn auch andere Momente (Entbehrungen, Sorge, Ausschweifungen) häufig mit im Spiele waren. — Wie es scheint, wirkt übermässiges Rauchen von Cigaretten schädlicher, als von Cigarren oder von Pfeifen, vielleicht, weil zu jenen ein anderer, stärkerer Tabak verwandt wird, vielleicht sind auch die Dämpfe des mit verbrennenden Papiers, oder andere, mir nicht bekannte Umstände von Bedeutung. — Die Gründe, warum grade unter den jüdischen, zumal russischen Studenten das Rauchen so ausserordentlich verbreitet ist, liegen auf der Hand. Die grössere Mehrzahl derselben ist mit dem, was man „Glücksgüter" nennt, nicht übermässig gesegnet, und muss auf mancherlei Vergnügungen und Zerstreuungen, die ihre besser gestellten Alters- und Standesgenossen sich verschaffen können, mehr oder weniger verzichten, darunter namentlich auf das wüste Kneipenleben, das auch wohl ihren Gewohnheiten und Neigungen wenig zusagt. Dafür bieten ihnen die zugleich weniger kostspieligen Cigarren oder Cigaretten einigen Ersatz, Wenn sie die ersten Unannehmlichkeiten, die der Neuling im Rauchen durchzumachen hat, überwunden haben, ist ihnen das Rauchen Genuss, Zerstreuung und Trost, die ihnen über mancherlei Bitternisse des Lebens hinweghelfen. Ja, Vielen wird durch das Rauchen die geistige Arbeit erleichtert. Darum ist gegen einen massigen Genuss des Tabaks nichts einzuwenden, namentlich wenn schwere importierte Cigarren ver- 3»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.