Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 3 (3.1903)
- Date
- 1903-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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42 No. 3 Tabakmissbrauch! Von Geh. Medicinalrat Professor Dr. Senator, Berlin.*) Während die Gefahren, welche der Alkoholmissbrauch für die Gesundheit herbeiführt, jetzt nicht bloss den Aerzten allgemein bekannt, sondern auch in den weitesten Laienkreisen endlich anerkannt und gefürchtet sind, und während die Bekämpfung dieses Missbrauchs jetzt Gegenstand vielfacher Bestrebungen und das Ziel vieler Mässigkeits- und Enthaltsamkeitsvereine ist, gilt der Tabak als ganz oder fast ganz unschädlich. Jedenfalls sind die schädlichen Folgen, des Tabakmissbrauchs, insbesondere des übermässigen Rauchens im Publikum viel zu wenig bekannt und werden auch von manchen Aerzten noch unterschätzt. Dies erklärt sich daraus, dass das Rauchen langsamer seine Wirkungen entfaltet, als der Alkoholgenuss, und dass die danach auftretenden Erscheinungen weniger augenfällig und weniger stürmisch verlaufen. Darum werden die im Gefolge übermässigen Rauchens allmählig, bei dem Einen früher, bei dem Andern später, sich einstellenden Symptome übersehen oder nicht beachtet, oder falsch gedeutet, d. h. anderen Ursachen zugeschrieben. Zu diesen Symptomen gehören Störungen der verschiedensten Organe, so von Seiten des Herzens: Herzklopfen, Beklemmungsgefühle, unregelmässiger und aussetzender Puls, von Seiten der Verdauungsorgane: Trockenheit im Munde und Rachen mit Kratzen und Schluckbeschwerden (der bekannte Raucherkatarrh), Appetitlosigkeit, Unregelmässigkeit der Stuhlentleerung, von Seiten des Nervensystems: Eingenommenheit des Kopfes, Schwindelgefühl, Ohrensausen, Schlaflosigkeit, Störungen der Geschlechtsfunktion u. a. m. Alle diese Erscheinungen können, wenn das Rauchen rechtzeitig eingestellt oder wenigstens erheblich eingeschränkt wird, wieder verschwinden, ohne dauernden Schaden zu hinterlassen. Andernfalls aber bilden sich, wenn auch erst im Verlauf von Jahren, bleibende Veränderungen und Schädigungen der Organe aus, die nicht weniger verderblich sind, als die durch Alkoholmissbrauch hervorgerufenen Krankheitszustände. *) Durch die liebenswürdige Vermittlung des Herrn Justizrats Dr. Heinrich Meyer Cohn wurde uns obiger Originalartikel des Geheimrats Professor Senator zur Veröffentlichung übergeben. Derselbe war als Antwort auf die Anfrage eines Lesers unseres Blattes über die durch den Tabaksgenuss in jüdischen Kreisen angerichteten Verheerungen erfolgt, und wird hoffentlich in unserem Leserkreise den gewünschten Erfolg erzielen. Anm. der Red.