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Jüdische Turnzeitung · 1903-01-01 · 1 (1.1903) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
1 (1.1903)
Date
1903-01-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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10 No. 1 und Logen als Versammlungsort diente, fand das Turnen statt. Es waren nur 4 ziemlich primitive Geräte vorhanden: Pferd, Barren, Reck und Schaukelringe. Der Aufmarsch zu den Frei- resp. Keulenübungen fand stets mit Klavierbegleitung statt, was mich, der als einzige Musik ein frohes Lied auf dem Turnplatz kannte, eigentümlich berührte. Der Turnbetrieb selbst weicht im Allgemeinen nur wenig von dem unseren ab; allerdings wird, wie es bei den Holländern üblich, den Freiübungen erheblich mehr Gewicht beigelegt, so dass sogar bei Wettturnen auch Freiübungen zur Wertung herangezogen werden. In diesem Verein überwog das Afrikanderelement, d. h. Leute, die in den südafrikanischen Kolonien geboren waren. Diese Afrikander sind bereits von Geburt zu jeglichem Sport prädestiniert; es sind schlanke, sehnige Gestalten, die früh gelernt haben, Strapazen und Entbehrungen zu ertragen. Wenn man von ihrer oft zu ostentativen Eitelkeit absieht, so erkennt man sie als offene und ehrliche Charaktere. Ich habe in ihrer Mitte manche glückliche und frohe Stunde verlebt. Den Maassstab der sogen, europäischen Bildung (gemeint ist Geistes- und nicht Charakterbildung) darf man bei ihnen nicht anlegen: denn bei den meisten hört das Lernen auf, sobald sie die Schule absolviert haben. Für ihre körperliche Gewandtheit spricht wohl u. a. der Umstand, dass sie selbst bei Ausführung der schwierigsten Übungen niemals duldeten, dass man für etwaige Fälle zur Hilfe bereit stand; und in keinem Turnverein sind so wenig Unglücksfälle vorgekommen, wie gerade hier. — Die beiden Turnwarte und der beste Turner des Vereins waren Juden; in den übrigen Vereinen, deren Leitung, mit Ausnahme des deutschen Turnvereins, in den Händen von professionalen, d. h. Turnlehrern von Beruf lag, waren diese selbst holländische Juden, wie auch sonderbarerweise sich die eifrigsten und vor allem die besten Turner aus englischen, holländischen und deutschen Juden zusammensetzten. Ich wünschte nur, die Herren Antisemiten, die sich unter dem Begriff „Jude" a priori eine Gestalt aus den Witzblättern vorstellen, hätten diese schlanken, geschmeidigen jüdischen Gestalten sehen können, wie sie dort nicht etwa die Ausnahme bildeten! — Auch auf speziell sportlichem Gebiete, namentlich beim Football, waren unter den bekanntesten Spielern Juden, und zwar nicht in der Minderheit, vertreten, wenn auch viele von ihnen nicht gern an ihre Abstammung erinnert sein wollten.

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