Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 1 (1.1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Ko. 1 11 Diese Juden, von denen ich im obigen sprach, waren allerdings fast ausschliesslich solche aus dem Westen Europas. Russische und galizische Juden nehmen in Süd-Afrika eine Sonderstellung ein; man bezeichnet sie mit dem Kollektivnamen „Peruvians". Über den Ursprung dieses Wortes hat man die verschiedensten Kombinationen gemacht; die einen führen die Bezeichnung auf Peru zurück, der Grund hierfür ist mir unbekannt, während andere den Namen mit Pera (in Klein-Asien) identifizieren; letzteres klingt schon plausibler, da viele Juden in Südafrika aus der Levante stammen. Diese Peruvians nun haben sich bisher aller äusseren Kultur verschlossen; man erkennt sie meist schon an ihrer abgerissenen Kleidung und ihrem schmutzigen Äusseren. Als Geschäftsleute sind sie „smart", welches Wort in Süd-Afrika den Begriff skrupellos miteinschliesst. Ihre aufsteigende Laufbahn ist in kurzen Umrissen folgende (ich greife einen typischen Fall heraus): Sie beginnen damit, dass sie alte Inexpressibles aufkaufen und diese an die Eingeborenen wiederverkaufen; auf der nächst höheren Stufe betreiben sie Eier- und Geflügelhandel und so geht es in aufsteigender Folge weiter, bis sie es zu Häuser- und Börsenspekulanten und schliesslich, wenn das Glück gut ist, zu Millionären gebracht haben. Die jüngere Generation, die bereits im Lande geboren ist, fällt äusserlich schon nicht mehr so unliebsam auf, sucht Fühlung mit ihren andersgläubigen Kameraden zu bekommen, während sich die Alten ängstlich abschliessen und sich so selbst ein künstliches Ghetto schaffen. — Die in dem Artikel von Dr. Tuch (vgl. das Oktober- und Novemberheft 1902 dieser Zeitschrift) erwähnte Jewich Lads Brigade in Johannesburg zählte 1899 ca. 30 Knaben und ist nach dem Muster der christlichen Boys Brigade gebildet. Die Mitglieder sind jedoch ausschliesslich Schüler der jüdischen Knabenschule. Die kleine Truppe bot einen hübschen Anblick dar, wenn sie mit ihrer aus den Lads selbst zusammengesetzten Kapelle unter Vorantragung ihrer Fahne durch die Strassen der Stadt zog. Als Uniform tragen die Jungen einen blauen Sweater, gelben Ledergurt und das englische Käppi, wie die regulären tommies (Soldaten). — In der Schule besteht jetzt auch ein geregelter Turnunterricht. — Man darf sich daher der Hoffnung hingeben, dass die hohen Schultern und der krumme Rücken der Alten in absehbarer Zeit Anachronismen sein werden. Um diese Zeit bald herbeizuführen,