Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 12 (12.1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Ho. 12. 209. Wien. Am 22. November 1. J. fand im Hötel Central der diesjährige Eröffnungsabend des I. Wiener Jüdischen Turnvereins unter zahlreicher Beteiligung von Mitgliedern und Gästen statt. Nach herzlicher Begrüssung der Anwesenden durch den Obmann Herrn Dr. Ludwig Werner wurde dem 1. Ehrenmitgliede des Vereins, dem Fabrikanten Herrn Hermann König, das von dem bekannten Künstler Maler C. J. Pollak hergestellte Ehrendiplom überreicht. Von den nun folgenden Aufführungen seien besonders erwähnt ein Vortrag des Cellovirtuosen Herrn Reichner, dann Liedervorträge der Frau Adler und der Vortrag eines von Herrn. Direktor Plowitz dem Vereine gewidmeten Turnermarsches, vorgetragen von dem Komponisten. Nach der Aufführung einer gelungenen turnerischen Pantomime durch Mitglieder des Vereins, die stürmische Heiterkeit erweckten, begann ein animiertes Tanzkränzchen. Allgemein wurde der Wunsch nach Wiederholung der Turnvereinsabende in grösserem Maassstabe geäussert. Besondere Verdienste um das Gelingen des Abends haben sich Obmannstellvertreter Herr Howitz jun. und dessen liebenswürdige Frau Gemahlin erworben. Der nächste Vereinsabend ist für Mitte Januar in Aussicht genommen. Troppau. Am 10. November fand in den Vereinsräumen des hiesigen jüdisch-literarischen Vereines die Vollversammlung der bisher noch nicht organisierten jüdischen Turnerschaft Troppaus statt. Zunächst erstattete der Obmann der Vereinigung seinen ausfübrlichenRechenschaftsbericht und gab hierbei eine kurzeGründungsgeschichte, den streng jüdischen Charakter derselben kräftig betonend. Unter Berücksichtigung der lokalen Verhältnisse und um nicht das jüdische Vereinsleben der Stadt zu zersplittern, wurde der Turnklub als Sektion des bestehenden jüdisch-literarischen Vereines activiert und durch entsprechende Änderung der Statuten die Teilnahme am Turnen auch den ausserhalb dieses Vereines stehenden jüdischen Kreisen ermöglicht. Ähnlich wie bei uns in Troppau dürften die Verhältnisse in vielen anderen Mittelstädten Österreichs und Deutschlands liegen und, man könnte auf diese Weise unbeschadet sonstiger Differenzen ein gemeinsames Zentrum zur Pflege und Hebung der geistigen und physischen Bedürfnisse in solchen Städten schaffen. Ohne jede Agitation haben wir für unsere Turn- Sektion bisher 35 ausübende Mitglieder gewonnen, die unter Leitung des als Turnwart engagierten Lehrers der jüdischen Volksschule,.