Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 12 (12.1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12. 208. München. Mit der in Ihrem geschätzten Blatte bereits berichteten Gründung des Turnvereins „Esra" scheinen sich nunmehr auch die „massgebenden" Kreise der hiesigen jüdischen Bevölkerung abgefunden zu haben, die sich zuerst recht ablehnend verhielten. Zu dieser Sinnesänderung hat wohl nicht wenig das gute Verhältnis, in welchem sich der neue Verein zu dem angesehenen Münchener Turnverein von 1860 befindet, beigetragen. Hat doch dieser dem „Esra" unter relativ günstigen Bedingungen seinen eigenen grossen, schönen Turnsaal in der Auenstr. 19 für Mittwoch Abend zur Verfügung gestellt und gleichzeitig der Oberturnwart des genannten Vereins sich erboten, in Gemeinschaft mit zwei Vorturnern die turnerische Leitung so lange zu übernehmen, bis der junge Turnverein aus sich selbst heraus geeignete Kräfte stellen kann. So bieten diese schönen Beziehungen beste Gewähr für eine gedeihliche turnerische Entwicklung, und andrerseits machen sie die Meinung gewisser Schwarzseher zu nichte, nach der die Konstituierung eines besonderen jüdischen Turnvereins unter den Nichtjuden nur böses Blut machen werde. — Der Besuch der bisherigen Abende war ein ständig steigender und bewegte sich zwischen 25—30 aktiven Turnern. Wie überall in jüdischen Turnvereinen, so ist auch hier in München eine ungewöhnliche Turnlust bei allen Teilnehmern wahrzunehmen, und es erfüllt die Zuschauer, wie die Turner selbst mit Freude, dass von Abend zu Abend ihr Können sich beträchtlich vergrössert. Schliesslich sei noch erwähnt, dass die Mitglieder des hier bestehenden Jüdischen Jugendbundes aus ihrem anfänglich passiven Verhalten gegenüber dem neuen Verein herauszutreten scheinen und sich in kurzer Zeit in die Mitgliederliste einschreiben dürften. Alles in allem, wir können mit unseren bisherigen Erfolgen recht zufrieden sein und hoffen, binnen Kurzem in gleichem Sinne berichten zu können. Köln. Der Jüdische Turnverein in Köln veranstaltet am 20. d. M. 8V2 Uhr im grossen Saale der Lesegesellschaft eine Makkabäerfeier. Es ist dieses die erste Veranstaltung, mit der der junge Verein vor die breite Öffentlichkeit tritt, um eine Probe seines Könnens abzulegen. An die einleitende Festrede und das darauffolgende Schauturnen wird sich eine Aufführung von Otto Ludwigs „Makkabäer" schliessen. Wir wünschen dem Feste unseres kräftig vorwärts strebenden Brudervereins das beste Gelingen!