Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 12 (12.1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4921092-5965007-5965177--0587-4921648- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 12. 207. Aus der jüdischen Turnerwelt. Berlin. Jüdischer Turnvereins „Bar Kochba". Die neubegründete Mädchenabteilung begann am Montag den i. Dezember in der Turnhalle Auguststr. zu turnen. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten hat sich die Mitgliederzahl gesteigert. Mit grossem Eifer nehmen die jungen Mädchen unter Leitung der Turnlehrerin Fräulein Fraenkel an den Übungen Teil, und es ist zu hoffen, dass sich die Entwicklung dieser Abteilung an Zahl wie an Leistungen ebenso günstig gestalten wird, wie die aller übrigen Abteilungen des J. T.-V. „Bar Kochba". Am Mittwoch, den 3. Dezember stellte sich uns der Meisterschaftsgänger Herr Otto Ribbe aus Königsberg vor, der soeben seinen im März begonnenen Dauermarsch von Königsberg über Berlin, München, Madrid zurück nach Berlin beendet hatte. Auf der dem Turnen folgenden Kneipe gab er in schlichten aber drastischen Worten ein anschauliches Bild seines oft beschwerlichen und gefährlichen Marsches, der in ausgezeichneter Weise illustrierte, wie zähe Beharrlichkeit und unerschütterliche Energie den Körper stählen und jeder Anstrengung gewachsen machen. Es war ein äusserst anregender Abend. In der zweiten Woche des Dezember hatten wir das Vergnügen, an drei aufeinander folgenden Abenden einen werten Gast bei uns begrüssen zu dürfen. Herr Seligmann, der 1. Schriftwart der „Jüdischen Turnerschaft von 1902 zu Hamburg", hat es sich nicht nehmen lassen, alle drei Abende, die ihm bei seinem kurzen Aufenthalt in Berlin zu Gebote standen, dem Bar Kochba zu widmen. Zweimal besuchte er unsere Männerabteilung und einmal die Frauenabteilung. Am Mittwoch, den 10. Dezember Abends fand nach dem Turnen ein gemütliches Zusammensein statt, bei welchem Herr Seligmann seiner grossen Befriedigung über den Turnbetrieb, wieüber den kameradschaftlichen Zusammenhalt im Bar Kochba Ausdruck verlieh. Mehrfach wurde an dem Abend in halb ernster, halb launiger Weise die Verbandsfrage gestreift. Nichts kann die Lösung dieses wichtigen Problems mehr beschleunigen, als die Herstellung recht zahlreicher persönlicher Beziehungen zwischen den verschiedenen Turnvereinen, wie sie von Herrn Seligmann in so liebenswürdiger Weise zwischen Hamburg und Berlin angeknüpft wurden.