Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 12 (12.1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12. 206. Die ästhetische Seite der Leibeserziehung findet neuerdings wieder allgemeinere Beachtung, insbesondere im bewussten Gegensatz zu extremen Erscheinungen, wie sie der heutige Sportbetrieb gezeitigt hat. Von diesem Gesichtspunkt aus hat Direktor Kemeny, Redakteur der ungarisch-pädagogischen Revue, dem internationalen Komite für die olympischen Spiele, dessen Mitglied er ist, Vorschläge unterbreitet, die auf dem Brüsseler internationalen Sportkongress 1903 sowie auf dem im Jahre 1904 in Chicago stattfindenden internationalen Olympischen Kongress beraten werden sollen. Die wichtigsten Punkte geben wir nach dem in der Zeitschrift „Kraft und Schönheit" erschienenen Bericht teilweise wieder. I. Um die an das Ende jeder erdenklichen Steigerung angelangte Spezialisierung des modernen Sportes, die bereits eine schädliche einseitige Körperkultur und mannigfache Auswüchse gereift hat, zur Umkehr zu bringen, besteht das Komite, auch nach dem Beispiel antiker Vorbilder (Pentathlon etc.), auf einer weisen Vereinigung von mehr und mehrseitigeren Übungen in den Wettbewerben; denn nur auf dieser allgemeineren Grundlage ist es denkbar und möglich, das menschliche Ideal einer harmonischen körperlichen Erziehung heranzubilden. II. Demgemäss drückt das Komit6 seinen lebhaften Wunsch aus, dass die verschiedenen (fälschlich oft national genannten) Systeme der körperlichen Erziehung, nach Thunlichkeit in ein einheitliches Allgemein-System verschmolzen werden, dass die Vorteile sämtlicher bestehenden Systeme in sich vereinigend, am besten der physisch-geistig-selischen Organisation des Menschen entspreche, die ja von Natur aus überall und zu allen Zeiten eins ist. III. Von dem richtigen Grundsatze ausgehend, dass e ne einseitige und isolierte körperliche Erziehung, also eine Körperkultur um ihrer selbst willen, von dem hohen Gesichtspunkte der Bestimmung des Menschen keine Berechtigung, oder nur eine minimale habe, dass also die Regeneration der menschlichen Rasse aus dem dreiteiligen Gesichtspunkte von Seele, Geist und Körper angestrebt werden müsse, — entsendet das Komite einen Ausschuss mit der Aufgabe, positive Vorschläge darüber zu erstatten, wie es möglich wäre, bei öffentlichen Wettbewerben neben den physischen Leistungen und im Verein mit ihnen auch den ästhetischen Bedürfnissen und den geistigen und seelischen Anlagen der Bewerber Rechnung zu tragen und diese ungeteilt zu belohnen. Am 27. Dezember er. findet in der Ressource zur Unterhaltung die Makkabäerfeier des jüdischen Turnvereins „Bar Kochba", Berlin, statt. Wir verweisen auf die Anzeige der letzten Seite dieser Zeitschrift.