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Jüdische Turnzeitung · 1902-12-01 · 12 (12.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
12 (12.1902)
Date
1902-12-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No. 12. 203. Leider hat gerade der nach aussen vielleicht am deutlichsten in Erscheinung tretende Teil der jungjüdischen Bewegung, unser Streben nach kraftvoller und edler körperlicher Erziehungt weder literarisch noch künstlerisch Ausdruck in dem Buche gefunden. Der elementare Urgrund dagegen dieses unseres Ringens, rein gefühlsmässig erfasst, thut sich mit packender poetischer Kraft in der folgenden Stelle vor uns auf*): „Der Bethamidrasch-Krüppel will ein Faustmensch werden; der lange geknebelte Körper schreit nach Befreiung. Über den Talmudjünger kommt es wie ein heiliger Rausch der gesteigerten Lebensgefühle, und die erwachte Kraft schreit nach voller Bethätigung. Dieser Talmudist will mit gespannten Muskeln die Welt in Trümmer schlagen, will sich ausleben, will auf unbebauter Erde seine gigantische Kraft ausströmen .. Ein eisiger, nordischer Wintertag ist her angebrochen, das Licht und die Luft sind hart und schneidend, wie in Erz gegossen. Glitzernde Funken erfüllen die Luft, und ein prachtvolles Morgenlicnt ergiesst sich darüber, das keine Wärme hat, nur Helligkeit. Eine brennende Kälte knistert durch das All und pflanzt in die Herzen eine ungekannte Kraft — „ „so hell und so kalt und so sicher, wie dieser Wintertag. Die Wangen flammen, jeder Muskel gespannt, und fest ist der Schritt, wie der Schritt von Titanen; gierig atmet man die eisige Luft, wie Eisen rinnt das Blut durch die Arme, und zu einer Eisenfaust ballt sich die Handfläche zusammen, und ein rasendes Verlangen erwacht in der Brust, zu zertrümmern^ mit einem mächtigen Faustschlag den Himmel von oben und die Erde von unten." " Wild wirft er sich in einen Schlitten: „ „He, Kutscher, wie ein Adler fahre mich in endlose Weiten, dort, wo die Wange sich rötet und aufgepeitscht wird wie Spreu vor dem Sturme die Kraft und die Jugend; und auf unbebauter Erde, weit und hell mag ausströmen wie Asche die gigantische Kraft..." " Das ist der neue, starke, irdische Jude, der Jude von dieser Welt, der mit geballter Faust das All zum Kampfe herausfordert, schwelgend im Gefühle der überströmenden Jugendkraft. Hier redet Bialik unsere Sprache, die Sprache der neuen Juden." G. A. •) Aus der Besprechung des hebräischen Dichters Bialik in: Ehrenpreis, „Junghebröjsche Dichtung" etwas modiflciert.

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