Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 12 (12.1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No 12. 202. Jüdischer Almanach 5663*). Die jungjüdische Bewegung ist um ein wichtiges Dokument reicher. Wir nennen den Jüdischen Almanach ein Dokument in dem Sinne, wie man von einem Werk als einem „document liumain" spricht, das der festgeprägte, sinnfällige Ausdruck des Strebens, Denkens, Schaffens und Hoffens einer Epoche ist. In diesem Sinne ist der Almanach ein Dokument der „jüdischen Renaissance", deren Träger wir nicht zum wenigsten in den Reihen der Mitarbeiter des Almanach begegnen; wir nennen Achad-Haam, J. L. Perez, Morris Rosenfeld, Hugo Salus, Israel Zangwill, um aus der langen Reihe klangvoller literarischer Namen nur einige wenige markante herauszugreifen, Jozef Israels, Max Liebermann, Hermann Struck, Lesser Ury, um das künstlerische Niveau zu kennzeichnen. Dementsprechend bietet das Buch auf fast jeder seiner 300 Seiten die erlesensten geistigen und künstlerischen Genüsse, und falls es in weite Kreise unseres Volkes dringt, falls ihm nicht schon sein jüdisches Gewand den Eintritt in jene Schichten verwehrt, deren Barmizwah-Geschenk Hauffs oder Uhlands „Sämtliche Werke" zu sein pflegen, dann muss die Stimme, die aus diesen Erzählungen, Abhandlungen, Gedichten, aus diesem oder jenem Bilde seltsam leise oder machtvoll heraustont, bald ein volles, harmonisches Echo wecken. Wie kein zweites scheint uns gerade dieses Buch berufen, die in dem Vorwort seines Herausgebers Berthold Feiwel gestellte Aufgabe zu erfüllen: „Diejenigen, die immer den treuen Glauben an das jüdische Volk bewahrt und die, welche ihn unter Kämpfen der Seele wiedergewonnen haben, sollen durch die edlen und schönen Ergebnisse jüdischer Geistesentfaltung Stärkung und Vertiefung empfangen. Denen aber, die das Judentum bisher nicht kannten oder nicht kennen wollten, und denen, die glaubten, dass aller Glanz in ihm erstorben und nur ein tagscheuer Rest dunkler Altertümlichkeiten übrig geblieben sei, soll in Formen, die sie bis jetzt nur bei anderen Völkern finden und lieben konnten, das lebendige, schaffende, ringende, sich befreiende Judentum gezeigt werden. So sollen sie auf schönen Strassen zu ihrem Volke und zu seiner Zukunft den Weg finden." *) Literarischer Teil redigiert von Berthold Feiwel, Redaktion des künstlerischen Teils von E. M. Lilien. {Jüdischer Verlag, Berlin. Preis 6 Mark).