Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 12 (12.1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12. 201. Aus den „Akademischen Turnbundsblättern". In der Oktober-Nummer der „Akademischen Turnbundsblätter" referiert Herr Oberlehrer J. Heinrich über das neu erschienene Buch des Berliner Universitätsprofessors Paulsen: „Die deutschen Universitäten und das Universitätsstudium". Es ist bezeichnend für den Geist der akademischen Turnvereine, die in ihren Reihen keine ungetauften jüdischen Mitglieder dulden, aber trotzdem zur „Deutschen Turnerschaft" zählen, dass ihnen Herr Heinrich mit Behagen die folgenden Äusserungen des einst liberalen Prof. Paulsen wiederzugeben für gut befindet: „Dass wir hier" (infolge des starken Überwiegens der jüdischen Bevölkerung im Universitätsstudium), „vor einem wirklichen und schwer aufzulösenden Problem stehen, das wird auch der, der die Dinge nicht mit den Empfindungen des Antisemitismus ansieht, nicht in Abrede stellen können. Würden die gelehrten Berufe rückhaltlos, wie die übrigen wirtschaftlichen Berufe dem freien Wettbewerb überlassen, dann müsste, so scheint es, allmählich der Zustand eintreten, dass sie, wenn nicht in monopolistischem Alleinbesitz, so doch ganz überwiegend in den Händen der durch Wohlstand, Energie und Zähigkeit überlegenen jüdischen Bevölkerung wären. Dass kein europäisches Volk einen solchen Zustand ertragen würde, dass es ihn als Fremdherrschaft empfinden und, mit Gewalt abwerfen würde, daran wird wohl nicht zu zweifeln sein. Und also haben alle, auch die Juden, ein Interesse daran, dass er nicht eintritt. Man wird demnach einen Gegendruck gegen das Überhandnehmen der Juden in den gelehrten Berufen, so weit sie mit einer öffentlichen Autorität ausgestattet sind, so hart er dem Einzelnen werden mag, nicht überhaupt verwerflich nennen können." Prof. Paulsen wie Herr Heinrich wollen anscheinend nicht „mit den Empfindungen des Antisemitismus sehen". Welche „Empfindungen" sonst mögen wohl Paulsen veranlasst haben, die obigen Zeilen zu schreiben, und Herrn Heinrich sie wiederzugeben? — Th. Sch.