Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 10 (10.1902)
- Date
- 1902-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 10. 165. Die vergleichenden Untersuchungen Waldenburgs tragen den Stempel des Grosszügigen, ebenso die Schlüsse, die er aus ihnen zieht, die aber ihrerseits mitunter ins Phantastische wachsen; da seitens des Verfassers weitere Puklikationen mit unvergleichlich umfangreicherem Material angekündigt werden, die seine in der vorliegenden Dissertation niedergelegten Theorien stützen sollen, so entfallt zunächst noch teilweise die Beurteilung derselben, und wir können nur auf diese oder jenes einer hier interessierenden Folgerungen hinweisen. Das jüdische Material stellten ihm drei Kategorien von Juden, deren Auswahl bereits charakteristisch ist. i) Einundvierzig aus ganz Deutschland stammende taubstumme Juden der Anstalt Weissensee, nebst zweiundfünfzig Anverwandten derselben. 2) Juden aus einem kleinen isolirten Inzuchtherde" des deutschen Nordens, vierunddreissig an Zahl, arm an Taubstummen, reicher an Nervenkranken. 3) Vierundzwanzig Mitglieder „intacter, körperlich und intellectuell mit hohen Vorzügen begabter jüdischer Familien Berlins, reich an Talenten und auffallenden Characteren, vollkommen frei von Taubheit und Taubstummheit." Aus der Thatsache, dass die Zahl der in der zweiten dieser Gruppen drei sich findenden „Langschädel" mit der von Lombroso bei den sephardischen Juden von Turin gefundenen übereinstimmt, zieht der Autor den weitgehenden Schluss, die Sephardim unterscheiden sich anatomisch in nichts(!) von den Aschkenasim, und die Behauptung, erstere seien reinere „Semiten", gleichsam eine jüdische Aristokratie, sei mithin widerlegt. Hierin können wir dem Verfasser nicht beipflichten, weil wir die Zahl der zu dieser Gruppe gehörenden Untersuchten 34 für viel zu gering halten, um derart fundamentalen Sätzen zu Grunde gelegt zu werden. Doch weit mehr Bedeutung darf ein anderes Forschungsergebnis beanspruchen, das Vorkommen einer ganz deutlich charakterisierten Schädelfonn unter den jüdischen Taubstummen und deren Anverwandten, das er nur noch bei den in ihrer Gesamtheit dezimierten Nordfriesen, nicht aber unter den von Staubstummheit freien jüdischen Familien gefunden hat, eben die im Titel genannte „Isocephalie", die völlige oder annähernde Gleichheit der Schädelbreite und -Länge, nach ihm ein deutliches Zeichen der Belastung. Fortsetzung folgt.