Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 10 (10.1902)
- Date
- 1902-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10. 166. Zur 50. Wiederkehr des Todestages von Friedrich Ludwig Jahn. Am 15. Oktober des Jahres sind es 50 Jahre, seitdem der Vater der deutschen Turnkunst Friedrich Ludwig Jahn, in's Grab gesunken ist. Überall wo es Turner giebt, wird dieses Tages gedacht und dieses Mannes dankbar Erwähnung gethan; daher ist es auch eine Pflicht für uns jüdische Turner, dem Gedächtnisse des „Alten im Barte" einige Worte der Erinnerung zu widmen. Es ist schwer, die turnerische und politische Wirksamkeit Jahn's streng von einander zu trennen. Beides geht so sehr bei ihm in eins auf, dass man seine Persönlichkeit nicht von der einen Seite allein betrachten kann. Die Zeit seiner Grösse und Bedeutung fällt in die Jahre 1806 bis 1819. Nachher hatte sein Wirken keine grundlegende, einschneidende Bedeutung mehr. Als er den Turnplatz in der Hasenhaide zu Berlin eröffnete, wurde er in Wirklichkeit der Vater des allgemeinen, streng volkstümlichen Turnens. Seine Persönlichkeit war eine absonderliche, nicht nur für uns heute, sondern auch für seineZeitgenossen. Jahn war ein Mann von rauhen Sitten, streng gegen sich selbst und gegen andere, von ungestümer durchaus eigenartiger Beredsamkeit. Sein Äusseres bekundete den Sonderling, der sich an so nebensächliche Dinge wie Moden nicht kehrte. Seinen turnerischen Grundsätzen ist er stets treu geblieben bis an sein Lebensende. Mochte ihn auch das Schicksal schwer heimsuchen, und die Unduldsamkeit seiner zahlreichen Feinde ihm Gefängnis und Verbannung bringen, er ist nicht schwankend geworden in seinen Thun. Rücksichtslos ist er seinen Widersachern entgegengetreten und hat mit ihnen mehr als drei Jahrzehnte gekämpft. Ein harter, starrer Sinn, ein durchaus unpolitischer, unnachsichtiger und unnachgiebiger Kopf war ihm