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Jüdische Turnzeitung · 1902-10-01 · 10 (10.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
10 (10.1902)
Date
1902-10-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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No. 10. 163. Zur jüdischen Rassenfrage. Von Georg Arndt. Das jüdische Volk ist durch die Jahrhunderte geschritten, mitten durchNot undDrangsal, beiallcr Zerstreutheit in sich geeint, ein einzigartiges Beispiel zähester Volkskraft, die Langlebigkeit und der reiche Kindersegen der Juden waren fast sprichwörtlich, wie ihr einiges Familienleben und ihre Sittenreinheit-, die man als Erklärung für jene Thatsachen zu Grunde legte. Heute ist es anders geworden, es vergeht wohl kein Monat, ohne dass man in Lehrbüchern, Broschüren, Zeitschriften, auf Congressen, mehr oder weniger ausführlich, meist in guter Tendenz, weit mehr aber auch als Waffe gegen uns gebraucht, der Behauptung unserer körperlichen, ja, auch geistigen Minderwertigkeit begegnet. Die Gewalt der Gewohnheit ist stark, und der kritische Sinn, dem vielleicht diese oder jene Behauptung als nicht ganz feststehend, diese oder jene Gruppierung statistischen Materials, — was lässt sich mit Statistiken nicht alles beweisen! — als nicht ganz einwandfrei erschien, ist bald eingeschläfert, wenn die Dinge nur oft und laut genug wiederholt werden. Wer die erschreckend hohen Zahlen der Statistiken kennt, wer hinzunimmt, dass der Geburtenüberschuss der Juden seit Jahren bereits in stetem Rückgang begriffen ist, und dass die letzte Volkszählung im deutschen Reich den Zuwachs der jüdischen um fast Vs geringer gegenüber dem der christlichen Bevölkerung ergeben hat, wer schliesslich erwägt, dass diewestlichenJuden,fürdiedie meisten gesammelten Daten gelten, förmlich ein Herrenleben führen im Vergleich zu ihren elenden Brüdern im Osten und Südosten, muss für die Zukunft unseres Stammes mit der schwersten Sorge erfüllt werden. Degenerirt bis ins Mark, wie wir nach Ansicht einiger sein sollen, hätten wir eigentlich nur noch eine Entwicklungauf absteigender Linie vor uns, deren Richtungsänderung durch Handwerk, Ackerbau, Turnerei, Sport, Hebung der allgemeinen socialen Verhältnisse, Verbreitung hygienischer Lehren nur beschränkte Ansicht auf Erfolg hätte. Der Neurasthenie und Hysterie zwar, deren man nunmehr bald jeden zweiten Juden verdächtigt, kann man damit Herr werden, vielleicht auch eines Teils der functionellen Geisteskrankheiten, Gebrechen, nicht aber der übrigen, zu denen wir ganz besonders disponiert sein sollen, also: der Zuckerharnruhr, des grünen Stars, der Taubstummheit und des Idiotismus und der anderen Geisteskrankheiten. Nachdem uns die Thore der Eman- 10*

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