Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 10 (10.1902)
- Date
- 1902-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10. 162. Brigade viele Anerkennung eintrugen. Im April 1902 zählt sie bereits über 3500 Knaben! In kurzen trocknen Zahlen gaben wir die äussere Entwicklung dieser Institution; sie lassen uns erkennen, welch' ausserordentlicher Beliebtheit sie sich in England erfreut. Diese wird auch illustriert durch die materielle Unterstützung, welche sie gefunden hat. Wir wollen daher noch einige Angaben bringen über die Geldmittel, welche ihr bisher zur Verfügung gestanden haben. Im Jahre 1897/98 beliefen sich die Ausgaben auf etwa 6000 Mark; im Jahre 1898/99 bereits auf ca. 20000 Mark; auf dieser Höhe haben sie sich bisher erhalten. Demgegenüber hielten die Einnahmen nicht stand. Man entschloss sich, eineu Appell an die Öffentlichkeit zu richten. Ein Diner wird im Trocadero-Restaurant zu Londonveranstaltet, bei welchem Zeichnungen entgegengenommen werden; die Summe erreicht eine Höhe von — 80000 Mark! Dies wenige mag genügen als Beweis, welche Anerkennung die Thätigkeit der Jewish lads' brigade in England gefunden hat. Worin besteht das Geheimnis dieses Erfolges? Es ist darin zu suchen, dass die Thätigkeit der J. L. B. eine geradezu ideale Lösung des Problems darstellt, wie die nach London eingewanderte Judenheit dem sie umgebenden Milieu anzupassen ist. Sie stellt sich uns dar als ein erzieherisches Werk ersten Ranges. Es ist nicht das deutsche Turnen, welches die Leiter der jüdischen Jugend in England bieten, wie wir dies in Deutschland für so besonders erspriesslich halten, vielmehr ist die Disziplin einerseits wesentlich strenger und straffer mit wahrem militärischen Drill, andererseits wesentlich freier und ungebunden, da dem frischen, frohen, mit anderen Worten, dem englischen Sport, gehuldigt wird. So wird die jüdische Jugend des Ostens, denn um diese handelt es sich zumeist, der individualistischen Freiheit des Engländers zugeführt, zugleich aber werden die vielen und schweren Untugenden des Ghettos, die ihr vielfach noch anhaften, ausgetrieben. Freiheit und Unterordnung ist die Losung, beide in viel extremerer Weise gefasst, als es bei uns in Deutschland geschieht, weil eben bei uns bei weitem nicht die grossen ethnischen und ethischen Unterschiede zwischen der jüdischen und der nichtjüdischen Bevölkerung bestehen, wie dies in London der Fall ist. (Fortsetzung folgt.)