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Jüdische Turnzeitung · 1902-09-01 · 9 (9.1902) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
9 (9.1902)
Date
1902-09-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No. 9. 155. das Herz und das Nervensystem über Gebühr angestrengt und geschädigt. Mit den Schnelligkeitsübungen, die im Gegensatz zu den Dauerübungen das Nervensystem stark in Anspruch nehmen und die Muskulatur kräftigen, haben die Dauerübungen die Kräftigung des Herzens und der Lunge und die Vergrösserung des Brustspielraumes gemeinsam. Durch allmähliche Steigerung der Dauer und Schnelligkeit wird die Ermüdungsgrenze des Herzens hinausgeschoben, so dass Ausdauer und Schnelligkeit bis zu einem individuellen Grenzwerte gesteigert werden können. Wie wir Kraftübungen meiden sollen, bei denen wir den Atem anzuhalten gezwungen sind, so müssen wir bei Schnelligkeitsübungen die Schnelligkeit vermindern, wenn wir von der Nasenzur Mundatmung übergehen müssen. Auch hier muss die Schnelligkeit uns stets das Atmen gestatten. Bei Befolgung dieser Forderungen heben die Dauer- und Schnelligkeitsübungen den Stoffwechsel; anderenfalls können sie das Körpermaterial in hohem Grade abnutzen, da sie die Ausscheidung von Kohlensäure stärker als die Sauerstoffaufnahme werden lassen. Von den Schnelligkeitsübungen sind es vor allem die Bewegungsspiele im Freien, an denen wir die wohlthätigen Wirkungen auf den Organismus zu beobachten Gelegenheit haben. Sind wir uns nunmehr über die wesentlichsten Gesichtspunkte klar, die dem weiblichen Turnen die Richtung und das Mass bestimmen, so haben wir doch noch manches zu beachten, was den Turnunterricht erst zu einer erspriesslichen Einrichtung gestaltet. So müssen wir, um nicht Anfängern das Turnen gründlich zu verleiden, auf eine allmähliche Steigerung vom Leichten zum Schweren, vom Einfachen zum Zusammengesetzten bedacht sein. „Alles kommt hierbei auf die naturgemässe Stufenfolge an, und es reicht nicht hin, dass man mit blinder Willkür hineingreife und irgend eine Übung einführe, damit doch von uns gesagt werden könne, wir hätten auch, etwa wie die Griechen, körperliche Erziehung" (Fichte, Reden an die deutsche Nation). Durch Überanstrengungen verliert man nicht nur die Lust am Turnen, sondern auch die Gesundheit. Derselbe Gesichtspunkt gebietet uns ferner einen massvollen Betrieb der weiblichen Leibesübungen, die nicht so anstrengend uns ausdauernd sein dürfen, wie wir sie von Männern gewohnt sind. Sie haben sich von allen Kunststücken und Kraft-

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