Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 9 (9.1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4921092-5965007-5965174--0519-4921583- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 9. 154. baldige Beendigung der Übung gebietet, schädigen schwere Kraftübungen Herz und Lunge, wenn sie ohne Erholungspause ausgeführt werden und der Atem angehalten wird, um zu leichterer Überwindung der Last den Rumpf „durch Kontraktion der Rumpfmuskeln nach tiefer Einatmung und Verschluss der Stimmritze" starr zu machen. Die Kohlensäure, die durch Kraftübungen in grosser Menge erzeugt und infolge der aufgehobenen Atmung und des gehemmten Blutkreislaufes nicht fortgeschafft werden kann, erzeugt Atemnot, die schädigend auf das Herz einwirkt. Wenn wir die nicht geringe Zahl von Herzkranken gerade unter den eifrigsten Turnern sehen — ein Teil von ihnen mag ja eine Herzaffektion oder die Anlage dazu mitgebracht haben —, so ist bei Frauen und Mädchen mit ihren schwächeren und empfindlicheren Herzen ganz besondere Vorsicht nötig, um Schädigungen zu vermeiden. Wir suchen auf dem Turnplatz leibliche Gesundheit, wir wollen sie nicht verlieren. Diesen Schädigungen infolge übertriebener Kraftübungen, zu denen sich noch eine übermässige Anspannung des Nervensystems gesellt, steht als Nutzen eine Kräftigung des Muskel- und Skelettsystemes gegenüber, auf die wir durchaus nicht verzichten wollen und ja auch nicht zu verzichten brauchen, wenn wir folgende Forderungen beachten: a) Das Herz muss durch Dauerübungen allmählich für anstrengende Kraftübungen vorbereitet werden; b) während einer Kraftübung ist ruhig weiter zu atmen; ist dies nicht möglich, so ist die Übung zu unterlassen, da ihr der Organismus noch nicht gewachsen ist; c) zwischen die einzelnen Kraftübungen sind Pausen einzuschalten, während deren die Atmung und der Herzschlag zu ihrer Norm zurückkehren soll; d) keine Kraftübung ist bis zur Erschöpfung auszudehnen; e) leichtere Kraftübungen mit Abwechselung der in Anspruch genommenen Muskelgruppen sind zu bevorzugen (Sandowsystem), da derartige Übungen den Stoffwechsel günstig beeinflussen. Dauerübungen, d. h. Übungen, die in einer häufigen Wiederholung derselben Bewegung bestehen, machen die Muskulatur ausdauernder und nehmen das Gehirn wenig in Anspruch, sie" tragen vielmehr zu seiner Erholung bei, wenn sie nicht gerade zu Schnelligkeits- oder Kraftübungen werden. In diesem Falle und bei der Ausdehnung einer Dauerübung bis zur Erschöpfung wird