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Jüdische Turnzeitung · 1902-09-01 · 9 (9.1902) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
9 (9.1902)
Date
1902-09-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 9. 149. unser Prinzip der jüdischen Organisation auf weitere Kreise ausdehnen, wir werden an euch herantreten mit der Aufforderung zu gemeinsamer Arbeit; wir erwarten, euch im Interesse des jüdischen Volkes bereit zu finden. Ellas Auerbach. Die Gründe des wirtschaftlichen Elends der galizisehen Juden. Von Dr. Ernst Tuch. „Das ärmste Proletariat, welches auf der Welt besteht, mit dem weder die armen Weber im Erzgebirge, noch die armen Leute in Irland nur verglichen werden können, das ist das Gros der polnischen Judenheit", so äusserte sich am 15. Dezember 1894 der Abgeordnete Prof. Menger im österreichischen Parlament. Eine gradezu schauerliche Bedeutung gewinnen diese Worte, wenn man bedenkt, dass dieses Proletariat zwei Drittel der gesamten jüdischen Bevölkerung ausmacht, von 772000 jüdischen Einwohnern sind zirka 300000 erklärte Bettler, 300000 „Luftmenschen". Allmälig beginnt der Begriff des „Luftmenschen" auch den westlichen Juden klar zu werden. Max Nordau hat in seinem Referat auf dem 5. Zionisten- Kongress den galizischen Luftmenschen im Gegensatz zu dem Londoner „loafer" und dem neapolitanischen „Lazzarone", „jenen zweifelhaften Gestalten, die am Rande des normalen Wirtschaftslebens zwischen Berufsbettlertum und Verbrechen umherschwanken", mit grosser Schärfe als einen Menschen bezeichnet, „der durchaus ehrlich, arbeitsfähig und arbeitswillig ist, jedoch künstlich von jeder einigermaassen ergiebigen Arbeit ausgeschlossen wird." — In der That, alle diese 300000 Menschen wollen arbeiten, können arbeiten, aber finden keine Arbeitsgelegenheit, da man sie ihnen absichtlich vorenthält. Nicht der Antisemitismus, wohl aber der „Asemitismus" d. h. die konsequent durchgeführte Boykottierung der Juden, ihre Ausschliessung von jedem Erwerb, feiert unter der Führung des Pater Stojalewski, unterstützt von den offiziellen Kreisen, in Galizien ihre Triumphe. Eine arbeitsame, rührige Bevölkerung, die dem Lande zum Segen gereichen könnte, wird mit brutaler Absicht ausgepowert, um sie der Gesamtbevölkerung als ein unerträgliches Übel erscheinen zu lassen. Galizien ist in keiner Hinsicht als ein modernes Land anzusehen, vielmehr ähnelt es inbezug auf Willkürherrschaft des Adels und des Klerikalismus in auffallender Weise dem „Kulturstaat" Rumänien. Bei

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